Unsere Verantwortung zu wachsen

Ohne zu wissen, wer wir sind, bringt alles nichts. Aber wenn wir wissen, wer wir sind, liegt die Verantwortung bei uns, was wir damit tun.

Alles fließt aus Identität raus

Ich hab die letzten Artikel ganz viel darüber geschrieben, wer wir sind und wer Gott ist.

Ich hab über die neue Schöpfung geschrieben: Dass wir gerecht gemacht sind, dass wir unendlich geliebt sind, dass wir heilig gemacht worden sind – und das alles ohne irgendeine Bedingung, nur als Geschenk. (Ich find’s jedes Mal krass, wenn ich darüber nachdenke.)

Wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, sind wir wie ein Fass ohne Boden. Da kann Gott reinschütten, was er will und so viel er will: Es wird alles unten wieder rauslaufen. Wir werden immer versuchen, uns selber richtig zu machen, und dann kommt nix vom Herrn an. Unsere Identität ist der Knackpunkt. Was wir glauben, wer wir sind, das leben wir – unsere Handlungen sind immer mit dem verknüpft, wie wir über uns denken. Und zwar unbewusst.

Das war die Einleitung, Leute. Muss ich die noch kürzen? Ist ne ziemlich lange Einleitung, hm. *grübel*

In letzter Zeit hab ich mir nämlich über die Fortsetzung Gedanken gemacht. Ich denke, ihr checkt jetzt, wie wichtig mir Identität ist. Dann können wir nämlich weitermachen.

Was automatisch ist

Manche Dinge passieren automatisch, das heißt, sie passieren einfach nur, weil wir unseren Glauben darauf setzen. Wer wir jetzt sind (neue Identität), das ist automatisch passiert, als wir Gott geglaubt haben (lest gern die ganze Stelle nach, ich kürz nur hier bisschen rum, damit deutlich wird, worauf ich rauswill). 2.Petrus 1,3-4:

 

In seiner göttlichen Macht hat Jesus uns alles geschenkt … hat er uns auch die größten und kostbarsten Zusagen gegeben. Gestützt auf sie, könnt ihr … Anteil an seiner göttlichen Natur bekommen.

 

Stichwort: Geschenkt. Hier, bitteschön. Durch den Glauben haben wir alles geschenkt bekommen, was wir brauchen.

Was nicht automatisch ist

Aber jetzt geht’s weiter mit Vers 5:

 

Darum …

 

Warum darum? Weil wir jetzt eine neue Identität haben. Weil wir jetzt geliebte Kinder Gottes sind, daaaaarum ….

 

… setzt alles daran, dass zu eurem Glauben Charakterfestigkeit hinzukommt und zur Charakterfestigkeit geistliche Erkenntnis, zur Erkenntnis Selbstbeherrschung, zur Selbstbeherrschung Standhaftigkeit, zur Standhaftigkeit Ehrfurcht vor Gott, zur Ehrfurcht vor Gott Liebe zu den Glaubensgeschwistern und darüber hinaus Liebe zu allen Menschen. – 2.Petrus 1,5-7

 

 „Setzt alles daran, dass dies und das bei euch passiert“, schreibt der gute Petrus. Das heißt also: Ich muss auch was tun!  Unfassbar.  Wenn ich also nicht alles daransetze, dass mein Glaube wächst und so coole Früchte hervorbringt wie oben erwähnt, dann passiert das auch nicht unbedingt. Das ist also nichts, das automatisch und ohne Eingreifen von mir passiert.

Merke: Mein Wachstum als Christ hängt nicht nur von Jesus ab, dass er mir alles schenkt, sondern auch von meiner Beteiligung. Charakterfestigkeit, geistliche Erkenntnis, Selbstbeherrschung, Standhaftigkeit, Ehrfurcht und Liebe kommen nicht von allein, sondern erfordern meine Bereitschaft zur Kooperation mit Gott.

Darum geht’s mir heute.

Wachstum

Daher hab ich ein paar Bibelstellen rausgesucht, in denen deutlich wird, dass wir in unserer Entwicklung als Christ nicht von Anfang die Checker sind, und dass unser Wachstum von unserer Beteiligung abhängt:

1)      Wie ein Baby

 

So wie ein Säugling nach Milch schreit, sollt ihr nach der reinen Milch – dem Wort Gottes – verlangen, die ihr benötigt, um im Glauben zu wachsen und das Ziel der Erlösung zu erreichen. Denn ihr habt erfahren, wie freundlich der Herr ist. – 1.Petrus 2,2

 

Am Anfang unseres Glaubenslebens sind wir wie ein wunderschönes Baby – ganz neu und klitzeklein, aber alles ist dran, voll perfekt. Aber eben ein Baby, und noch nicht erwachsen. Damit das Baby wachsen kann, braucht es Milch.  (Ich liebe diese Emoticons.) So wie ein Baby nach Milch schreit, sollen auch wir uns nach Gottes Worten ausstrecken. In Hebräer 5,12-14 kriegen die Zuhörer einen Tadel ab, dass sie nicht so gewachsen sind, wie sie hätten sollen und immer noch „Milch“ brauchen, weil sie im Glauben noch so klein sind wie ein Baby. Au, das soll mir nicht passieren.

2)      Glaube kann mangeln

 

Tag und Nacht bitten wir ihn inständig um die Möglichkeit, euch wieder zu sehen und euch in den Punkten weiterzuhelfen, wo es euch in eurem Glauben noch an etwas fehlt. – 1.Thessalonicher 3,10

 

Also, wenn’s dir mal so geht, dass du denkst: „Ich hab grad überhaupt keinen Glauben“, dann mach dir keinen Kopf. Paulus schreibt hier, dass die Thessalonicher Mangel an Glauben haben. Ist normaaaal. Daher: Glaube kann mangeln. Und Glaube soll wachsen. Wie man Glauben zum Wachsen bringt, können wir mal extra anschauen oder du guckst selber in deine Bibel rein.  Aaach, das machen wir einfach nächstes Mal.

Aber einfach mal zum bewusst werden: Ich bin zwar eine komplett neue Schöpfung, aber den Glauben hab ich nicht gepachtet. Ich muss Stück für Stück in ihm wachsen.

3)      Weisheit kann mangeln

 

Wenn es aber einem von euch an Weisheit fehlt, bitte er Gott darum, und sie wird ihm gegeben werden; denn Gott gibt allen gern und macht dem, der ihn bittet, keine Vorhaltungen. – Jakobus 1,5

 

Unfassbar, dass mir mal die Weisheit ausgehen kann.  Also auch darin, sollen wir wachsen. Und wie geht das? Wir sollen Gott bitten (und dann nicht daran zweifeln, dass er sie uns gibt, siehe Vers 6). Und wir sollen uns voll danach ausstrecken (s. Sprüche 2,1-6 und Sprüche 4,5-8) Also hab ich nicht automatisch Weisheit, und empfangen kann ich sie auch nur, wenn ich Gott ernst nehme und nicht daran zweifle, dass er meint, was er sagt.

4)      Den Heiligen Geist wirken lassen

 

Legt dem Wirken des Heiligen Geistes nichts in den Weg!  – 1.Thessalonicher 5,19

 

Auch hier kommt’s ganz auf mich an, ob ich den Heiligen Geist durch mich fließen lassen will oder nicht. Meine Entscheidung, meine Verantwortung. Wie ich das konkret mache, sieht in jeder Situation unterschiedlich aus. Hier kommt’s aber auf ne Herzenshaltung an, ob ich mich zur Verfügung stellen mag oder nicht.

5)     Christus mehr kennenlernen

 

Ja, ich möchte Christus immer besser kennen lernen … – Philipper 3,10

 

Faszinierend, dass Paulus am Ende seines Lebens, wo er schon so viel mit Gott erlebt hat, immer noch sagt: „Ich möchte Christus besser kennenlernen.“ Auch das hier ist eine Herzenshaltung. Paulus positioniert sich.

6)      Noch ein paar Bibelstellen

Ich hab hier noch ein paar Bibelstellen, die könnt ihr selber nachlesen, wenn ihr wollt:

  • Philipper 1,6: Wir sind noch nicht vollkommen.
  • Kolosser 2,6-7: Ich kann meine Wurzeln in Jesus reingraben … oder auch nicht
  • Thessalonischer 3,12 und 1. Petrus 1,22: Auch wenn ich schon Liebe habe, sie darf immer wachsen.
  • Kolosser 4,12: Auch meine Reife kann zunehmen … oder auch nicht.
  • Johannes 1,8: Es liegt an mir, ob ich mal den vollen Lohn bekomme (wie auch immer das dann aussieht).

Wenn wir nicht wachsen, gehen wir ein

Die Sache ist die: Wenn wir nicht wachsen, gehen wir ein.

Zurück zu 2. Petrus 1, wo wir alles daran setzen sollen zu wachsen. Ich hab euch nämlich Vers 8 unterschlagen. In der Schlachter Übersetzung steht da:

 

Denn wenn diese Dinge [Charakter, Standhaftigkeit, Liebe etc.] bei euch vorhanden sind und zunehmen, so lassen sie euch nicht träge noch unfruchtbar sein für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus. – 2. Petrus 1,8

 

Voll crazy, oder? Entweder wir wachsen, oder wir schrumpfen. Das soll jetzt aber kein Hammer sein, sondern ein Ansporn an uns alle (mich eingeschlossen), uns nicht auf unserer gerechten, wunderschönen Identität auszuruhen, sondern uns reinzuhängen und zu eifern darum, dass wir im Glauben, in der Liebe, in der Reife, in der Weisheit und dem ganzen guten Zeug wachsen.

Gott ermutigt uns sogar, zu eifern (Galater 4,18 und Hebräer 6,11).

Wie steht’s bei dir um deinen Eifer? Hast du Bock auf mehr oder bist du zufrieden mit dem Punkt, wo du in deinem Glauben stehst? Bist du bereit, dein Leben hinzugeben, dass du dich immer mehr in Gottes Spiegelbild formst und Gottes Herrlichkeit in dir sichtbar werden darf?

Das Ganze funktioniert niemals ohne ein gegründet-sein in unserem Sein – als Geliebte, als Söhne und Töchter Gottes. Aber damit hört’s eben auch nicht auf, sondern fängt erst an.

Ich will, dass mein Glaube wächst. Und meine Liebe. Und meine Weisheit und Reife und mein Charakter. Du auch? Dann lass uns danach ausstrecken.  Und nächstes Mal sehen wir uns noch genauer an, wie das passieren kann.


Beitragsbild: Braden Collum