Entdecke die Wahrheit II – Die Lügen entlarven (Werkzeug)

Jetzt laber ich hier so viel über Lügen, da wäre es mal an der Zeit, „Lüge“ zu definieren. Das machen wir zuerst, danach geht’s daran, woher die überhaupt kommen und dann wie wir sie entlarven und loswerden, damit wir so denken lernen wie der Herr. 🙂 Ich hab auch immer wieder Beispiele von mir reingepackt. Und zum Schluss wie versprochen, ein praktisches Werkzeug.

 

… lasst euch von Gott durch Veränderung eurer Denkweise in neue Menschen verwandeln. Dann werdet ihr wissen, was Gott von euch will: Es ist das, was gut ist und ihn freut und seinem Willen vollkommen entspricht. – Römer 12,2

 

Eine Lüge ist …

  • Eine Lüge ist eine Überzeugung in unserem Denken, die im Widerspruch zu Gottes Wort steht.
  • Sie sabotiert die Segnungen, die wir von Gott empfangen dürfen.
  • Die Bibel nennt diese Überzeugungen „Festungen“ in unserem Denken. (2.Korinther10,4-5) Monika Flach (von Kingdom Impact) sagte mal, so Lügen sind wie Raubritterburgen – sie stehen an den Handelsstraßen, auf denen die Versorgung Gottes zu uns kommt, und überfallen die Karawanen, die vorbeiziehen. Das trifft’s eigentlich ziemlich gut.

Eine Lüge erkennt man an den Früchten

Nachdem das mal geklärt wäre, kommen wir zu den Fragen, wie man die Lügen in unserem Denken findet. Das ist gar nicht schwer.

Unser Handeln entspringt aus unserem Denken. Deswegen kann man oft an schlechten Handlungen erkennen, dass irgendein ungesundes Denken dahintersteckt.

Beispiel: Eigentlich will ich den anderen ihren Erfolg schon gönnen, aber in Wirklichkeit ärgert es mich total, wenn jemand besser ist als ich. Zudem strenge ich mich total an und bin unzufrieden mit mir, wenn ich keine guten Ergebnisse liefere.

Ich könnte jetzt versuchen, einfach nicht mehr so egoistisch zu sein. Ooooder ich frage Gott, was ich da denke. Hab ich gemacht und rausgefunden:

Lüge dahinter: „Wenn ich nicht am besten bin, habe ich versagt.“

Im Kontrast dazu Gottes Wahrheit: „Wie gut ich in etwas bin, ändert nichts an dem, wie wertvoll ich bin.“

Früchte, die Lügen in unserem Denken produzieren (nur ne Auswahl):

  • getrieben sein, kein innerer Friede
  • Nörgeln
  • Undankbarkeit
  • Neid
  • Depression
  • Bedürfnis, alles unter Kontrolle haben zu wollen
  • Unsicherheit, geringer Selbstwert
  • Stolz, falsche Demut
  • Menschenfurcht
  • Unversöhnlichkeit
  • Angst, zu kurz zu kommen

Die Liste lässt sich beliebig fortführen. Aber ich will euch nicht depri machen. 😉 Es ist quasi normal, dass wir uns irgendwo darin wiederfinden. Wer ein demütiges Herz hat, der hat den Mut, anzuschauen, was nicht so grandios läuft, und die Gewissheit, dass er bei Gott den Müll gegen Gold eintauschen kann. 🙂

Wo diese Lügen herkommen

Wieso denken wir manchmal so verkorkst?

Im Prinzip gibt es zwei Quellen, aus denen Lügen entstehen: Unser unsere Erfahrungen und unser natürliches Denken.

Unsere Erfahrungen

Jeder Psychologe wird bestätigen, dass die wesentliche Denkweise eines Menschen in der Kindheit geprägt wird. Kinder haben ein außerordentliches Gespür für das, was um sie herumgeht. Und sie haben ein außerordentliches Talent, vieles falsch zu interpretieren. Yay für Kinder!

Beispiel 1: Mama und Papa streiten sich, wer das Kind ins Turnen fährt. Schlussfolgerung Kind: Wenn ich nicht da wäre, würden Mama und Papa nicht so viel streiten. Es wäre besser, wenn ich nicht da wäre..

Beispiel 2: Der Papa hat nicht die Zeit, bei Fußballspiel seines Sohnes dabei zu sein: Schlussfolgerung Sohn: Ich bin nicht wichtig.

Beispiel 3: Der Sohn stellt sich ein bisschen ungeschickt beim Heimwerken an. Da verliert der Vater die Geduld und sagt: „Gib her, du kannst das doch eh nicht.“ Schlussfolgerung Sohn: Ich kann nichts. Besser ich versuche erst gar nichts, dann kann ich auch niemanden enttäuschen.

Beispiel 4: Die großen Brüder nehmen die kleine Schwester nicht ernst. Schlussfolgerung kleine Schwester: Ich vertraue keinen Männern mehr, die nehmen mich sowieso nicht ernst.

Beispiel 5: In der Puppenecke im Kinde spielen gerade andere Kinder und deswegen muss das Kind jetzt woanders spielen. Schlussfolgerung Kind: Ich darf im Kindi nicht in der Puppenecke spielen, weil ich nichts zu geben habe.

Beispiel 1 bis 3 hab ich erfunden, Nummer 4 und 5 ist tatsächlich passiert. Wenn ich das so lese, denke ich: „Aaaach, ich dummes Kind“, und muss lachen. 😀 Aber nur, weil ich den Krempel mittlerweile herausgefunden und beseitigt habe. 🙂

Das krasse ist, wenn wir als Kinder so Erlebnisse verdreht abspeichern und vielleicht noch ein paar ähnliche Sachen passieren, die unsere Wahrnehmung verstärken, dann bauen sich diese Überzeugungen in unser Leben hinein, sodass wir auch noch als Erwachsene nach ihnen ticken. Da muss dann nur mal ein Mann vorbeikommen und an einem interessiert sein und schon zieht man die Mauern hoch, damit man nicht mehr von einem männlichen Wesen enttäuscht wird. Ich sprech aus Erfahrung. 😉 🙂

Unser natürliches Denken

Die meisten Lügen entstehen aber aus unserem natürlichen Denken, unserer Familienkultur oder Kultur in unserer Region oder unserem Land. Da gibt’s natürlich auch ne Menge guter Denkweisen in jeder Kultur, aber überall da, wo Gottes Wahrheit nicht drin ist, wächst eben auch Mist.

Überleg selber mal, welche Sätze in eurer Familie gang und gäbe waren.

Oder in deiner Kultur. Ich mach ein Beispiel aus meiner schwäbischen Kultur:

Wer schafft (= „arbeitet“), ist ein rechter Kerl. Du bist nur was, wenn du was arbeitest. Und zwar egal, wie viel. Am besten viel. Morgens bis abends. Ausschlafen geht nicht. Hopphopp, aus dem Bett. 😀

(Nichts gegen Arbeiten, meine Freunde. Arbeit ist super, aber nicht wenn sie bestimmt, wer du bist.)

Anderes Beispiel: Sparen, hart arbeiten, sparen. — Großzügigkeit? Was das?

(Jaaa, ich provozier. Also pscht.)

Wenn dir das jetzt reicht und du einfach nur wissen willst, wie das Finden und Loswerden von Lügen jetzt in der Praxis läuft, dann klicke hier, das befördert dich zum übernächsten Punkt.

Ansonsten noch ein kleines Gadget:

Der Überzeugung-Erwartung-Erfahrung-Kreislauf

Das fiese an der Sache ist zusätzlich noch, dass Lügen manchmal Situationen hervorrufen, die die Lüge scheinbar bestätigen.

Beispiel:

  1. Erfahrung: Ich darf nicht mitspielen.
  2. Überzeugung: Ich habe nichts zu geben.
  3. Erwartung: Wahrscheinlich will eh niemand mit mir was zu tun haben.
  4. Verhalten: Wegen dieser Erwartung gehe ich natürlich auch nicht auf andere zu in der Annahme, sie wollen was mit mir zu tun haben. Lieber sitze ich in der Ecke und warte darauf, dass mich jemand anspricht.
  5. Erfahrung: Ich sitze nur unbeteiligt rum, wirke folglich desinteressiert, also spricht mich niemand an.
  6. Überzeugung: Ha, wusst ich’s doch, dass ich nichts zu geben habe.
  7. Erwartung: Es will eh niemand was mit mir zu tun haben…
  8. Et cetera pp …

Gecheckt? 😀 Dieser Kreislauf funktioniert sowohl für positive Überzeugungen als auch für Negative. Daher ist es nur von Vorteil, positive Überzeugungen zu haben und sein Denken zu erneuern (falls du bisher nicht davon überzeugt warst 😆 ).

Sodele, falls ihr nicht mehr könnt: Holt euch nen Kaffee, weil, jetzt wird’s richtig cool. Das ganze Zeug zu lesen bringt einem gar nichts, wenn man hier aufhört. 🙂

Aktivierung

Erstens, mal abgesehen von coolen Übungen wie denen hier, empfehle ich euch, nicht in euch herumzukramen, wo ihr jetzt grad eine Lüge glaubt. Überlasst es Gott, dass er euch zur gegeben Zeit drauf hinweist, wenn irgendwo ne Lüge euer Leben korrumpiert.

Wir kramen jetzt mit Absicht nach uns in Lügen herum, aber nur zum Üben. Ansonsten wartet auf so nen Kairos-Moment, wo ihr merkt: „Ups, was war denn das, was ich da gemacht habe?“, so wie bei mir, als ich auf die Einladung eines netten jungen Mannes zum Kaffee mit „Nein, ich hab keine Zeit“ und panischer Flucht reagiert habe. 😀 😀 😀

1.       Gott fragen

Wenn ihr dann so einen Kairos-Moment habt, dann fragt Gott einfach innerlich (oder laut, wenn grad niemand da ist … oder wenn es euch nicht stört, dass alle anderen euer Gespräch mit Gott mitkriegen):

„Vater, was glaube ich eigentlich in dieser Situation?“ Und dann kommt euch vielleicht ein Gedanke ooooder auch eine Erinnerung an ein Erlebnis (als du im Kindi nicht in der Puppenecke spielen durftest 😆 ).

2.       Lüge aufschreiben

Dann schreibt das mal auf, was ihr da denkt. Das fühlt sich wahrscheinlich totaaal richtig an. „Männer sind nicht vertrauenswürdig, du kannst mir erzählen, was du willst.“ Oder es sieht total dumm aus: „Ich hab nichts zu geben, weil ich nicht in der Puppenecke spielen durfte.“ 😀

Egal, wie es wirkt: Einfach mal aufschreiben.

3.       Vergeben

Dieser Schritt ist optional und hängt davon ab, ob ihr jemandem vergeben müsst, der daran beteiligt war, dass ihr zu der Schlussfolgerung gekommen seid. Vielleicht müsst ihr euch auch selbst vergeben, dass ihr so nen Müll geglaubt habt.

4.       Umkehren

Dieser Schritt ist nicht optional. Umkehren (= Buße tun) bedeutet, ich erkenne an, dass es Müll war, was ich geglaubt habe. Und ich übernehme Verantwortung dafür, dass ich diese Lüge geglaubt habe. (Denn egal, was jemand anderes getan hat, für deine Gedanken und Schlussfolgerungen bist du allein verantwortlich.) Anyway, Umkehren bedeutet außerdem, dass ich mich abwende vom Müll und dem zuwende, was Gott mir sagt.

Damit wären wir beim nächsten Punkt.

5.       Wahrheit finden

Hierfür brauchen wir wieder den Heiligen Geist. Wir fragen Gott nämlich jetzt: „Okay, Gott. Jetzt habe ich die Lüge losgelassen, aber was ist denn die Wahrheit?“

Und dann kommt der Herr und fängt einen auf mit seiner befreienden Wahrheit. Das kann ein Satz sein, der dir in den Kopf kommt, oder vielleicht musst du bisschen in der Bibel suchen, bis du was findest. Auf jeden Fall trifft diese Wahrheit voll in den Kern von dem, was du bisher geglaubt hast.

Manchmal muss man auch ein bisschen an der Wortwahl feilen, bis es für einen passt.

Gebet

Ich hab dir hier ein Gebet, das alle Punkte, die ich bisher genannt habe, abdeckt. Wenn es dir hilft, kannst du es nachbeten, und zwar laut:

„Vater, Danke, dass du mich so lieb hast. Ich hab dir was zu sagen. Und zwar bekenne ich die Sünde, dass ich die Lüge geglaubt habe, dass ___________________________. Ich vergebe den Menschen, die dazu beigetragen haben, dass diese Lüge entstanden ist: __________________________. Ich bitte dich um Vergebung, Herr, dass ich diese Lüge geglaubt habe und dass ich mein Leben danach ausgerichtet habe. Und ich bitte dich um Vergebung, wo ich andere deswegen verurteilt habe. Ich empfange deine Vergebung. Auf der Basis deiner Vergebung, Herr, entscheide ich mich, mir selbst zu vergeben, dass ich diese Lüge geglaubt habe. Ich weise die Lüge zurück und stimme nicht mehr mit ihr überein. Ich entscheide mich, die Wahrheit anzunehmen und zu glauben, dass ____________________________. Danke, dass deine Wahrheit mich frei macht. Amen.“

 

6.       Wahrheit kultivieren

Jaaaa, leider war’s das noch nicht. Es gibt noch einen letzten Schritt zur Denk-Erneuerung. Kultiviere diese Wahrheit. Dein Denken ändert sich nämlich nicht von jetzt auf nachher. Es braucht ungefähr 30 Tage, bis sich die Struktur in unserem Gehirn verändert hat – und auch nur, wenn es 30 Tage lang mit der neuen Denkweise konfrontierte wird. Es gibt sogar ein wissenschaftliches Wort für den Prozess, aber ich hab’s vergessen. 😀

Sei kreativ: Du kannst die Wahrheiten zum Beispiel auf kleine Notizzettel schreiben und an deinen Spiegel hängen und sie jedes Mal laut sagen, wenn du vor dem Spiegel stehst. Hab ich auch gemacht.

Ein persönliches Wort zum Schluss

Ich bekenne: Das war ein ewig langer Artikel. Aber ich kann’s nicht kürzer. Buäh.

Lügen entlarven und durch Wahrheit zu ersetzen war ein wichtiges Werkzeug für mich, immer mehr in meiner Identität als Kind Gottes zu leben. Und ich habe festgestellt, ich kann mich so sehr anstrengen wie ich will: Wahre Veränderung passiert eben von innen nach außen, und nicht von außen nach innen. (Mein Denken überträgt sich auf mein Handeln. Nicht, wenn ich mein Handeln ändere, ändert sich mein innerer Mensch.)

Ich hoffe, ich konnte dich ermutigen und habe dir ein Werkzeug weitergeben können, damit du immer mehr entdeckst, dass Gott alles für dich gemacht hat und du einfach empfangen darfst, was er über dich denkt. Es geht alles ohne Krampf und wenn man ein bisschen Übung darin hat, macht der Prozess schon am Anfang Spaß (trotz vielleicht mal Heulen), weil man weiß, dass man am Ende mit nem Schatz rauskommt.

Ich hab euch lieb, eure Mirjam


Beitragsbild: Frank Mckenna