Story: Liebe verändert

Morgen ist Weihnachten, und Weihnachten ist das Fest der Liebe. *lichterketten* *blinkblink* *geschenkerausch* *zuvielZuckerüberall* Okay, nicht nur das Fest der Liebe, auch des Wahnsinns, 😉 aber lassen wir mal den Wahnsinn weg und beschränken uns auf die Liebe. Deshalb dachte ich, erzähle ich heute eine coole Story, die ich vor ein paar Jahren erlebt habe. Und es geht auch um Liebe, aber sie ist nicht an Weihnachten passiert, sondern ein paar Tage danach.

Ich war mit meinem Team in Alabama, USA unterwegs. Wir waren zu elft, frisch aus der Schule in Toronto und per Roadtrip zu einer Gemeinde in Alabama gefahren. 🙂 Wir hatten die Chance, ein Rehabilitation Center (ich erklär’s gleich) zu besuchen. Die Jungs, die dort leben, sind zwischen 13 und 18 Jahre alt und haben alle irgendwas Kriminelles gemacht. Das Rehab Center ist gewissermaßen die letzte Haltstation vor dem Knast; eigentlich wären sie zu einer Haftstrafe verurteilt worden, aber wenn sie freiwillig ins Rehab Center gehen, kommen sie drumrum.

Ganz ehrlich, so arg viel anders wie ein Knast ist es aber nicht. Wir fahren mit unseren Kleinbussen aufs Gelände. Um das Gelände steht ein Zaun. Raus kommt man nur mit Erlaubnis. Vor einem Gebäude sehen wir ein paar Jungen stehen.  Einheitliche Kleidung, grelle Neonmützen. Von Gebäude zu Gebäude müssen sie in Reih und Glied gehen. Die Regeln sind streng, pardon, seeehr streng.

Das erste Mal, als wir da sind, ist es Nachmittag. Wir haben ungefähr 3 Stunden Zeit. Die Jungs können sich entscheiden, ob sie zu uns kommen wollen oder nicht, aber im Prinzip sind fast alle aus der einen Klasse da. Es ist die Chance, erstens dem Unterricht zu entfliehen und zweitens in die Nähe von Mädels zu kommen. 😆 Grund genug, zu uns zu gehen, auch wenn wir wahrscheinlich irgendwas von Gott daherfaseln. *g*

Wir sitzen auf dem Boden in einem ungenutzten Klassenzimmer. Wir haben beschlossen, dass Dale den Anfang macht. Er erzählt seine Lebensgeschichte, und Dale hat die krasseste Lebensgeschichte von uns. Früher hat er die Nase gestrichen vollgehabt von Gott, der Kirche und den Christen, und jetzt gibt es immer noch Bereiche, wo er mit Gott hadert. Er ist stockehrlich mit den Jungs. Ich weiß nicht mehr genau, was er alles erzählt hat, nur dass ich denke, Jungeeeee, was laberst du, und nicht glücklich bin.

Silly me. (= „Ich Dummkopf“.) Es ist perfekt. Gott berührt die Herzen dieser kostbaren Jungs, denen wahrscheinlich noch niemand gesagt hat, dass sie geliebt sind. Wir erzählen ihnen vom Vaterherz Gottes und erklären, wie man Gottes Stimme hören kann. Danach werfen wir chillige Musik ein, lassen die Jungs Gottes Stimme hören und gehen herum und reden bzw. beten mit denen, die Bock darauf haben.

Ich will mich eigentlich davor drücken, mit den Jungs zu reden. Erstens mal geht meine introvertierte Seite nicht gerne auf Menschen zu und zweitens verstehe ich die Jungs nicht! Dieser Südstaaten-Akzent, ich sag’s euch, der ist der Killer!!! Und dann, das ist ja noch das Beste, tragen einige einen Mundschutz wie die Zahnarzthelferin bei uns, weil dort irgendeine Krankheit rumgeht. Da kann ich ja nicht mal die Lippenbewegungen sehen! 😀 😀

Aber ich hab nur eine Chance, also was soll‘s, dann springe ich mal über meinen Schatten. Und Gott macht den Rest. Die Zeit am Ende ist total kostbar. Viele hören Gottes Stimme zum ersten Mal. Einer sitzt da und weint, der andere zittert am ganzen Körper, weil er von Gottes Kraft berührt wird. Ich bin geflasht.

Wir packen unsere Sachen. Wir haben geben, was wir haben, und Gott hat seine Liebe in die Herzen gegossen. Der Hammer.

Zwei der Jungs und ich

Am Sonntag danach kommen ein paar Jungs in den Gottesdienst. Der Rektor hat es ihnen erlaubt. Sie werden in einem Bus hergefahren und wieder abgeholt. Einer erzählt, dass er morgens aufgewacht ist und das Gefühl hatte, Gott will mit ihm reden. Also hat er sich hingesetzt und 16 Seiten Reden Gottes aufgeschrieben! Sechzeeeehn!!! Abgefahren.

Ein paar Tage später kommen wir wieder. Diesmal dürfen wir in der Kantine mitessen. Kieran kommt mit einem Jungen ins Gespräch, den wir noch nicht kennen. Er erzählt, dass er Devon heißt (Name geändert) und Satanist ist. Deshalb sei nicht zu unseren Treffen gekommen ist. Wir laden ihn trotzdem ein zu kommen. Diesmal ist eine andere Gruppe Jungs da, und es ist wieder eine hammer Zeit.

Danach dürfen wir noch im Unterricht unser Land vorstellen. Ich erzähle, dass man in Deutschland Deutsch spricht und nicht Englisch. Die Kerle können’s kaum glauben. Lol. Das ist schon ein bisschen witzig.

Eine Woche später haben wir unsere letzte Zeit mit den Jungs. Wir erzählen wieder von uns und was Gott in unserem Leben getan hat. Devon ist auch da. Als Sarah fragt, wer sein Leben Jesus geben möchte, heben fast alle ihre Hände. Es ist so schön! Nachdem wir gebetet haben, nehmen wir uns die Jungs einzeln raus und prophezeien über ihnen. Es haut mich um, was Gott über die Jungs denkt, und sie haut es auch um. Devon ist für mich die größte Inspiration. Er erzählt, dass er eigentlich nur Satanist wurde, weil er aus der Kirche geworfen wurde, als er jünger war. Aber hier hat er Gott anders erlebt. Und seine Liebe hat ihn berührt. Ich sehe es ihm an. Er ist ziemlich groß, aber als ich ihn kennengelernt habe, hat man das gar nicht so gesehen, weil er sehr gebückt herumlief. Jetzt steht er aufrecht da, und in seinen Augen ist Hoffnung.

Wir müssen uns verabschieden. Ich habe gar keine Lust zu gehen. Ich sehe die Hoffnung und das Licht in den Jungs. Werden sie es packen und von der Kriminalität wegkommen, wenn sie das Rehab Center verlassen? Keine Ahnung. Aber ich weiß, dass sie wahrscheinlich noch nie so viel Hoffnung hatten wie jetzt. Kurz bevor wir gehen, kommt einer der Lehrer auf uns zu und fragt und, was wir mit den Jungs gemacht hätten, sie seien so anders. 🙂

Wir waren nur dreimal zu Besuch. Und wir haben nur gegeben, was wir hatten, und es hat sich nicht nach viel angefühlt. Aber die Veränderung, die die Liebe Gottes in den Jungs bewirkt hat, war der Wahnsinn. Ich weiß nicht, wer mehr beschenkt wurde, die Jungs oder ich.

Monster Truck Show – Beschdeeee 😀

Alabama war eine so hammer Zeit. Und nicht wegen der Monster-Truck-Show (der ultimative Wahnsinn, es ist so zum Abfeiern!), auch wenn die ziemlich geil war, sondern weil ich gesehen habe, wie wahre Liebe kaputte Menschen in kurzer Zeit radikal verändert.

 

Ich werde die nächsten Tage besonders diese Liebe feiern, die in die Krippe kam und ans Kreuz ging. Jesus ist der Beste, ever.


Beitragsbild: Arcaion