Identität I – Geliebt, ohne etwas dafür getan zu haben

Im letzten Artikel habe ich darüber geschrieben, dass es unser Job ist, das Königreich Gottes auf der Erde zu verbreiten. Allerdings müssen wir dafür wissen, wer wir sind, denn alles, was wir tun, kommt aus dem raus, wer wir sind.

Ich hab gedacht, in den nächsten paar Artikeln nehme ich euch mit rein in meinem Weg, wie ich mehr und mehr entdeckt habe, wer ich bin.

Kleine Notiz am Rande: Ich schreibe diesen Blog nicht, weil mein Leben perfekt wäre oder weil ich gecheckt hätte, wie das Leben funktioniert (haha, aber schön wär‘s schon 😀 ). Ich schreibe auch nicht, weil ich die Prozesse, in denen ich stecke, abgeschlossen hätte. Das ist nämlich keineswegs der Fall, nee nee. Ich bin genauso unterwegs wie du. Mein Ziel ist nur, dass du ermutigt wirst, wenn du hier rumliest, und vielleicht das eine oder andere Gute mitnehmen kannst und im besten Fall der Güte Gottes begegnest, so wie ich. 🙂

Wer wir sind, definieren wir meist über das, was wir tun

Also zurück zur Identitätsfrage: Wer sind wir?

Kleine Kinder fragt man: „Und, was möchtest du mal werden, wenn du groß bist?“ Aber man meint damit: „Was möchtest du mal arbeiten, wenn du groß bist?“

Und wenn man neue Leute trifft, besteht ein Teil vom Gespräch aus Sätzen dieser Art: „Ich bin Peter und ich bin Student …“ oder „Ich heiße Adalbert Müller und bin Bauingenieur“ (Alter, ich brauch Autokorrektur für das Wort! 😆 ) Wir sagen, wer wir sind, aber wir meinen eigentlich das, was wir tun – unseren Job. Bisschen abgefahren, wenn man so drüber nachdenkt, oder?

Sind wir unser Job? Sind wir das, was wir tun?

Wenn das Tun nicht mehr funktioniert, gibt es Krise

Ich denke, das geht so lange gut, wie wir tun können. Aber sobald wir nicht mehr tun können, haben wir ein Problem. Denn dann ist nicht nur unser Job weg, sondern auch unsere Identität. Und das zieht einem ganz schön den Boden unter den Füßen weg. (Frag mal jemanden, der Burnout hatte.)

Stell dir mal vor, du hättest auf einmal keinen Job mehr bzw. Schule würde nicht mehr existieren. Was weckt das für Gefühle?

Als ich 2011 aus Kanada zurückgekommen bin und kein Studium angefangen habe (siehe Über mich-Seite), hatte ich erstmal nichts und damit zwei Probleme. Erstens: Was sagt man den Leuten, wenn sie einen fragen, was man jetzt macht? (Hab ich „gelöst“, indem ich Leute erstmal vermieden habe. 😀 😀 Aber meine Eltern sind manchmal ganz schön dumm dagestanden, wenn sie sagen sollten, was ihre Tochter so treibt. Danke, Mama und Papa, dass ihr das ausgehalten habt und immer noch aushaltet. ) Und zweitens: Was fängt man mit sich selbst an, wenn es niemanden gibt, der einem vorschreibt, wie man seinen Tag verbringen soll? Aaargh.

Dann komm nämlich erstmal raus, was in einem drin steckt. Ich finde, es ist super scary, nichts zu tun zu haben, weil man erstmal nichts hat, über das man sich definieren kann.

Gott gibt Identität, ohne dass wir etwas dafür tun

Es sei denn … man definiert sich anders. 🙂

So hab ich Gott kennengelernt. Der sagt einem zuerst, wer man ist, ohne dass man irgendwas geleistet hat.

Ich find das so krass, Jesus kam auf die Welt, um die Menschheit zu retten, um die ganze Welt zu retten, und um Gottes Königreich auf der Erde zu starten (wenn du mich fragst, ist das ein ganz schön heftiger Auftrag). Aber noch bevor er nur eine einzige Sache getan hat, wozu er auf der Erde war, sagt Gott zu ihm:

 

Dies ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich große Freude. – Matthäus 3,17

 

NIX hat er gemacht vorher, der Jesus. Kein Wunder, keine Heilung, gar nichts. Niemand hat ihm angesehen, dass er aus dem Himmel gekommen war. Nichts hat er geleistet, nichts hatte er vorzuweisen. Keinen Hinweis erbracht, dass er den Job erfüllen würde. Und dann sowas. Zack, die volle Portion Liebe vom Vater bekommen. Ich sag Gottes Ausspruch mal mit meinen Worten: „Jesus, es ist egal, was du tust, du bist mein geliebter Sohn und ich freue mich so sehr an dir!“

Bei Gott ist die Reihenfolge umgekehrt

Oder auch so: Gott liebt uns vor unserer Leistung. Also, Gott liebt uns, bevor wir irgendwas leisten. Was wir danach tun, ändert nichts an seiner Einstellung zu uns, denn er hat uns ja schon davor geliebt.

Ich finde, Gott ist so der Knaller. Bei ihm kriegen wir zuerst eine Identität, und daraus kommen unsere Werke hervor. Im Gegensatz zu der Welt, die wir kennen: Dort sind wir zuerst „nichts“, und dann müssen wir etwas tun (Job lernen, studieren), und danach „sind“ wir was.

In der Welt kriegen wir Applaus für das, was wir tun. Aber bei Gott kriegen wir Applaus für das, was wir sind. Ohne Tun.

Einschub: Ist das Tun schlecht? Awaaa. Das meine ich gar nicht. Ich meine die Reihenfolge! Erst sein, daraus tun.

Geliebt, ohne etwas dafür zu tun

Weißt du, es hat mich das ziemlich erwischt, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass Gott (was meine Identität angeht) auf meine Leistung pfeift. Ich war nämlich gewohnt, Applaus für meine Leistungen zu bekommen. Das lief ganz gut, weil ich ein kleiner Nerd war in der Schule. 😀 Aber sobald deine Leistungen weg sind, ist dein Selbstwertgefühl futsch. (Oder vielleicht warst du nie der Oberchecker in der Schule. Ich vermute, dann hast du etwas anderes gesucht, das dir das Gefühl gegeben hat, jemand zu sein. Kumpels, Zocken, Beauty, Sport, Jungs oder Mädels, …)

Aber Gott kommt her und sagt mir erstmal, dass er mich liebt, ohne dass ich irgendwas dafür getan hätte. Ich weiß, lala, schon 100 Mal gehört. Aber ganz im Ernst, immer, wenn ich ein Stück mehr von dieser bedingungslosen Liebe und bedingungslosen Identität von Gott gecheckt hab, hab ich Rotz und Wasser geheult, weil es einfach so anders ist als alles, was man vom System um uns rum lernt.

Der Vater im Himmel liebt uns genauso wie er Jesus liebt (Johannes 17,23). Genau wie zu Jesus sagt er zu uns erstmal, dass wir seine geliebten Söhne und Töchter sind und er sich sehr über uns freut. Nix gemacht vorher. Es ist der volle Wahnsinn. 😀

Das hat er festgelegt, daran ist nicht zu Rütteln. Es kommt nur noch darauf an, dass uns immer mehr bewusst wird, was für eine krasse Liebe das ist, mit der der Vater uns liebt!!

Immer mehr in dem Bewusstsein leben lernen, wie sehr Gott mich liebt

Ich bin da immer noch unterwegs, das mehr und mehr zu checken. Erst letztes Wochenende gab’s wieder eine Situation, die mich innerlich ein bisschen aus der Bahn geworfen hat, weil ich mit meiner Performance nicht zufrieden war. Und da habe ich wieder gemerkt: „Ups, hier habe ich wohl noch geglaubt, ich wäre cool, weil ich coole Dinge tun kann, statt dass ich cool bin, weil ich geliebt bin.“ Also, das mit der Identität vor der Leistung, dem bedingungslosen Geliebtsein, das ist ein Weg, auf dem ich bin. Aber so ein Guter! 🙂 Und ich kann den Unterschied sehen zu dem, wie ich noch vor ein paar Jahren über mich dachte. Es gibt immer weniger, das mich aus der Bahn wirft. Also… man wächst da. 🙂

Magst du mitkommen auf diesen Weg und dir von unserem guten Papa zeigen lassen, wer du bist und wie sehr du geliebt bist, bevor du irgendwas tust?

Vielleicht hast du Lust, das Gebet hier dann immer wieder vor Gott zu bringen (ist auch eins von meinen favourite Gebeten, dass ich so in etwa mit Gott bespreche):

Ich kann nur meine Knie beugen vor dir Gott, dem Vater von Jesus Christus und meinem Vater. Bitte stärke meinen inneren Menschen mit Kraft durch deinen Geist.

Ich bete, dass Christus durch den Glauben immer mehr in meinem Herzen wohnt und dass ich in deiner Liebe fest verwurzelt und gegründet bin. Ich will mit allen Gläubigen zusammen das ganze Ausmaß deiner Liebe erkennen.

Öffne meine Augen, damit ich die Liebe erkennen kann, die Christus zu mir hat; eine Liebe, die alles übersteigt, was ich mir vorstellen kann, damit ich bis zur ganzen Fülle Gottes erfüllt werde.

Du kannst unendlich viel mehr tun, als alles, was ich mir vorstellen oder auch nur hoffen kann. Dir sei alle Ehre in der Gemeinde und durch Christus Jesus für alle Zeit und Ewigkeit. Amen. – nach Epheser 3,14-21


Beitragsbild: Mayur Gala