Kingdom I – Was ist das Ziel des Christseins?

Warum hat Gott mich nicht in den Himmel geholt, als ich mich bekehrt habe? Was ist das Ziel des Christseins? Wenn das Ziel darin besteht, dass ich Gott kennenlerne, Jesus als meinen Retter annehme, meine Sünden vergeben werden und ich in den Himmel komme, warum dann um alles in der Welt, lässt Gott mich noch hier auf der Erde? Ich hab doch schon alles erreicht!?

Jesus hatte eine größere Mission

Es gibt viele Antworten auf diese Frage, mit der ich mich eine Weile rumgeschlagen habe, unter anderem, dass es sehr schade wäre, wenn ich nur 7 Jahre meines Lebens auf der Erde verbringen würde, denn trotz allem Elend ist die Erde ein sehr schöner Planet. 🙂

Und man kann natürlich sagen: Ist doch klar, Gott lässt dich auf der Erde, damit möglichst viele Menschen durch dich Gott kennenlernen.

Zugegeben, Jesus hat uns ausgesandt um alle Nationen zu Jüngern zu machen. Aber was dann? Sitzen wir dann alle in der Gemeinde und singen Kumbaya? 😉 (Ah, stoß dich nicht daran, ich provozier nur gern. 😉 ) Ich glaube, das Ziel vieler Gemeinden ist, so viele Menschen wie möglich, in die Gemeinde hinein zu „retten“. Und ich glaube auch, dass das Gott voll ehrt und seinem Willen entspricht!

Aaaaber … (ha, jetzt kommt’s 😀 ), ich glaube, das ist nur ein Teil vom großen Plan. Hier kommt meine These:

Als Jesus auf die Erde kam, bestand seine Mission nicht nur darin, Rettung für die Menschheit zu bringen, sondern das Reich seines Vaters auf die Erde zu bringen.

„Reich“ ist ein sehr altmodisches Wort, deshalb werden wir gleich anschauen, was damit gemeint ist (obwohl ich diese alten deutschen Wörter total stark finde, die ham iwie was).

Hier mal zuerst die Basics, wie ich das bisher erfasst habe.

Es gibt zwei unsichtbare Reiche

Erstens, laut der Bibel gibt es zwei Reiche: Das Reich der Finsternis und das Reich Gottes.

 

Er hat uns errettet aus der Herrschaft [oder: Machtbereich] der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich [oder: Königreich] des Sohnes seiner Liebe. – Kolosser 1,13

 

Wer in welchem Reich der Chef ist, ist vermutlich klar.

Beide Reiche sind unsichtbar. Das heißt: Ich lebe in Deutschland (einem sichtbaren Staat, in dem ein sichtbares Staatsoberhaupt herrscht: Angie und ihr Kabinett) und gleichzeitig lebe ich im Reich „des Sohnes seiner Liebe“ (einem unsichtbaren Staat, in dem ein unsichtbares Staatsoberhaupt herrscht: König Jesus und die Könige unter ihm (Offenbarung 1,5)). Ich weiß, das ist bisschen viel ganz knapp gefasst, aber ich hoffe, das macht Sinn soweit.

Das Reich Gottes fing mit Jesus auf der Erde an

Zweitens, das Reich Gottes fing mit Jesus an.

Daniels Prophetie über den Beginn des Reiches Gottes auf der Erde

Jetzt kommt die coolste Bibelstelle, ich find die so irre! Ich werde sie nicht ganz posten, weil der Abschnitt so lang ist, ihr könnt das selber hier nachlesen, ich erzähl’s nur kurz.

Zu der Zeit, als Israel im Exil in Babylon lebte, hatte der König dort einen Traum. Und Daniel, ein Prophet, erhielt die Deutung dazu. Der König sah eine Statue aus vier Materialien: Gold, Bronze, Eisen und Eisen und Bronze halb-halb. Auf einmal löste sich ein Stein aus einem Berg, aber ohne dass ein Mensch etwas machte. Er rollte auf die Statue zu und zertrümmerte sie in kleinste Einzelteile, die sich mit dem Wind zerstreuten. Der Stein aber wurde immer größer, zu einem Berg, der die ganze Erde ausfüllte. (Träume sind ja immer ein bisschen schräg. 😉 )

Die Deutung lautete: Gold steht für das babylonische Reich. Danach würden noch drei weitere Weltreiche aufstehen, und zu dieser Zeit würde Gott sein Reich aufrichten, das alle Reiche davor zerschlagen würde. Gottes Reich dagegen würde ewig bestehen und irgendwann die ganze Erde ausfüllen.

Als ich das gelesen habe, habe sogar ich gecheckt, was damit gemeint war. 😀

Colloseum

Gold = Babylon
Bronze, das Reich nach Babylon = Medo-Persien
Eisen, das Reich nach den Persern = Alexander der Große
Und das Reich nach Alexander = Römisches Imperium

Große Preisfrage: Welches übernatürliche Event geschah zur Zeit der Römer? Bingo, Jesus wurde geboren!

Ohne dass ein Mensch etwas dazutat, wurde Jesus im Jahr 4 vor Christus (haha, vor sich selber 😆 ) geboren und brachte mit sich das Reich des Himmels, das sich seither ausbreitet. Er ist der Felsen, der sich übernatürlich aus dem Felsen löst. Von den vorigen vier Reichen ist nichts mehr zu sehen (außer im Museum), aber Gottes Reich gibt es immer noch, und es hat sich seither ausgebreitet und wird sich immer weiter ausbreiten.

(Ich werde mal noch was posten darüber, dass sich das Reich Gottes in der Tat stetig und messbar ausbreitet, entgegen mancher Meinungen, es würde nichts mehr gehen im Reich des Herrn. 😉 )

Jesus: Das Reich Gottes ist jetzt da

Jesus selbst sagte, dass das Reich Gottes mit ihm kam. Zuerst meinte er nur: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“  – Matthäus 4,17. („Himmelreich“ ist ein anderes Wort für „Reich Gottes“.)

Danach sagte er, dass das Reich Gottes schon da sei: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ – Lukas 17,21.

Und dann bringt er den Knaller, nämlich dass er das Königreich an seine Jünger weitergegeben hat: „Und so übergebe ich euch ein Königtum, wie es mir mein Vater übergeben hat.“ – Lukas 22,29.

Lassen wir das mal so stehen.

Wie muss man sich das Reich Gottes vorstellen?

Wie sieht dieses Reich aus? Wie können wir es mitkriegen, wenn es unsichtbar ist? Ich habe ein paar Kennzeichen rausgesucht:

Zitat Jesus (miiinimal aus dem Kontext gerissen): „Wenn ich die Dämonen nun aber mit der Hilfe von Gottes Geist austreibe, dann ist doch das Reich Gottes zu euch gekommen.“ – Matthäus 12,28

Aha, Menschen werden frei.

Nummer 2 von Jesus: „Da wandte er sich ihnen zu, erzählte ihnen vom Reich Gottes und heilte die Kranken unter ihnen.“ – Lukas 9,11

Aha, Menschen werden gesund.

„Recht und Gerechtigkeit sind die Grundfeste deines Thrones, Gnade und Wahrheit gehen vor deinem Angesicht her.“ – Psalm 89,15

Es wird Recht gesprochen. Gerechtigkeit geschieht.

„Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist“. – Römer 14,17

In Gottes Reich herrschen Gerechtigkeit (hatten wir schon), Friede und Freude. Klingt hammer, oder?

Es gäbe noch viel mehr aufzuzählen. Im Grunde geht es darum:

„Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme! Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden.“ – Lukas 11,2

Die Stelle ist bekannt, nicht wahr? Sie ist aus dem Vaterunser. Jesus sagt, wir sollen beten, dass das, was im Himmel passiert, auch auf der Erde passiert. Im Himmel gibt es keine Krankheit. Das soll auch auf der Erde geschehen. Im Himmel gibt es keine Ungerechtigkeit. So soll auch die Erde werden. Im Himmel gibt es keine Kriege. Das soll auch auf die Erde kommen.

Notiz am Rande: Gott kriegt nicht immer seinen Willen

Wenn Jesus betet, dass der Wille Gottes geschehen soll, wie im Himmel so auf der Erde, dann heißt das logischerweise: Noch geschieht nicht (überall/immer) der Wille Gottes. Ihr Lieben, es ist nicht der Wille Gottes, dass halb Haiti von einem Erdbeben zerstört wird, noch dass wir krank sind oder sogar an einer Krankheit sterben. Gott ist genauso sehr daran interessiert, dass wir gesund sind, wie wir. Oder eigentlich noch mehr – ich glaube, er liebt uns mehr, als wir uns selber lieben. Und wenn wir uns fragen, warum Gott so ein Elend auf der Erde zulässt, dann schieben wir dem Falschen die Schuld in die Schuhe. Denn… der Herrscher dieser Welt ist nicht Gott (Johannes 14,30; 16,11; Epheser 2,2). Wir sind aber auf dem besten Wege, dass er das wird – und dann hört auch der Scheiß auf. Versteht ihr meine Denke?

(Ich weiß, ich schmeiß bisschen viel Input auf einmal rein, ohne alles ausführlich zu behandeln, sonst würde das hier ein Roman werden. Aber voll cool, dass du trotzdem bis hierher gelesen hast! Danke! Poste ganz gern alle Hinterfragungen oder Fragen oder Gedankengänge oder Meinungen unten in den Kommentaren.)

Wie breitet sich das Reich Gottes aus?

Bisher bin ich mit keiner Silbe darauf eingegangen, wie das Reich Gottes vom Himmel auf die Erde kommt und sich dort immer weiter verbreitet. Hier kommen nämlich wir ins Spiel. Aber mir ging’s erst einmal nur darum, den Blick zu öffnen für das größere Bild. Ich hab’s auf den nächsten Artikel verschoben, welche Rolle wir dabei spielen, dass sich das Reich Gottes ausbreitet. Für heute langt’s. 😀

Zusammenfassung

Ich halte mal bis hierher fest:

  1. Gott herrscht in einem Reich, das die Bibel als „Reich Gottes“ bezeichnet, manchmal auch als „Himmelreich“ oder auch als „Reich des Sohnes seiner Liebe“.
  2. Das Reich war solange im Himmel, bis Jesus auf die Erde kam. Dann begann es, sich auf der Erde auszubreiten.
  3. Es war nicht das Hauptziel, dass alle Menschen gerettet würden (hach, Konjunktiv *schmacht*), sondern dass das Königreich Gottes auf der Erde verbreiten wird, also die Zustände im Himmel auf die Erde gebracht werden (siehe Vaterunser).
  4. Dass sich das Reich Gottes ausbreitet erkennt man unter anderem daran, dass Menschen gerettet (1.Timotheus 2,4) und geheilt (2.Mose 23,25; Matthäus 4,23) werden. Dass Gerechtigkeit entsteht und Recht gesprochen wird (Psalm 89,15).Dass sich Friede und Freude ausbreiten.

Ich hoffe, ich habe euch nicht überfahren. Lasst mir gerne einen Kommentar da, ob ich euch geflasht habe, oder was ihr von meinem Ansatz haltet. Würde mich sehr freuen, und wir sehen uns im nächsten Artikel. 🙂


Beitragsbild: Rohit Tandon