Die Sache mit der Sünde ist eine Identitätssache

Im letzten Artikel ging’s darum, dass wir nicht von Gott getrennt sind, wenn wir sündigen, weil Jesus uns schon alles vergeben hat. Den Artikel heute widme ich dem Thema, wie wir Sünde trotzdem loswerden.

Ich geh mal von folgenden Voraussetzungen aus:

  • Du bist neugeboren / Christ / Kind Gottes,
  • du liebst Gott,
  • du willst ein Leben leben, das Gott ehrt,
  • aber das läuft leider nicht immer so gut, wie du dir das wünschst, und vielleicht fragst du dich, ob du jemals mit dieser oder jener Sünde in deinem Leben fertig wirst.

(Falls das nicht alles auf dich zutrifft, freu ich mich trotzdem sehr, wenn du weiterliest.  🙂 )

Es ist möglich, ein Leben ohne Sünde zu führen

Ich schlachte mal kurz eine heilige Kuh:

Ich glaube durchaus, dass es möglich ist, ein Leben ohne Sünde zu führen.

(Ah, schlag mich nicht, ich erklär’s gleich. 😉 )

Erstens glaube ich, dass es eigentlich eine Beleidigung für Jesus ist, wenn wir sagen, dass er zwar gekommen ist, um uns von Sünde zu befreien, wir aber in der Realität nie ganz frei werden von Sünde. Und es ist auch nicht biblisch (guck mal: Römer 6,2; 6,6; 6,7). „Danke Jesus, dass du gekommen bist, um uns von Sünde zu befreien. … Bei mir hat’s leider nicht funktioniert.“ Bisschen paradox. *kopfkratz* und *zwinker* 😉

Zweites glaube ich, dass wir oft sagen, wir würden niemals sündlos leben können, weil wir einfach keine Ahnung haben, wie wir dahin gelangen könnten. (Ist auch verständlich, finde ich, aber das macht es nicht korrekt.)

Und drittens sagen wir das oft, weil wir denken, wenn wir sündlos wären, wären wir ja wie Gott. Aber Adam und Eva waren vor dem Sündenfall ja auch nicht „Gott“, sondern Menschen – halt ohne Sünde.

Einfach nur zu sagen, wir würden immer sündigen, „weil wir halt Menschen sind“, ist weder biblisch, noch eine Lösung für die Probleme, die Sünde schafft.

Die Preisfrage ist allerdings: Wenn Jesus mich von meiner Sünde befreit hat (wie es so schön in Römer 6 heißt), warum mach ich dann immer noch Scheiß? Und zweitens: Wie krieg ich den Scheiß los?

Nuu, da schneide ich ein Thema an, über das sich viele Theologen schon viel unterhalten haben. Aber wir machen’s kurz, wir haben ja auch nicht ewig Zeit. 🙂 (Daher verzeiht mir, wenn ich nicht alle Aspekte hier beleuchte, aber schreibt doch einfach in die Kommentare, was euch noch wichtig ist.)

Wir sind von Sünde befreit …

Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. – 2.Korinther 5,17

 

In Jesus Christus sind wir komplett neu, das heißt …

 

… dass die Zeit vorbei ist, in der ihr Sklaven der Sünde wart … Ihr seid von der Herrschaft der Sünde befreit worden … – Römer 6,17-18

 

Anders ausgedrückt kann man auch sagen, dass Jesus uns …

 

 … durch dieses eine Opfer … für immer vollkommen gemacht [hat].

 

… aber wir müssen erst lernen, so zu leben

Hammer Sache, nicht wahr?! 🙂 Lass uns das mal bebrüten, dass wir für immer vollkommen gemacht worden sind …

Jetzt sind wir aber, obwohl wir schon vollkommen gemacht worden sind, noch in einem Prozess zu lernen, wie man dieser neuen Schöpfung gemäß lebt. Das finden wir in der gleichen Bibelstelle. Dort steht, dass wir noch dabei sind …

… geheiligt zu werden. – Hebräer 10,14

 

Wer wir sind, ist festgelegt. Wir sind vollkommen gemachte Heilige, ewig und bedingungslos geliebte Kinder Gottes, freigemacht von Sünde, ins Reich des Lichts versetzt, eine ganz neue Kreatur, und so weiter. Das ist safe, da ist nichts dran zu rütteln. Aber das heißt nicht, dass wir automatisch so leben. Paulus sagt dazu:

 

Ich ermahne euch nun …: Wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen worden seid … – Epheser 4,1

 

Aha! Wir können also so leben, dass es zu Gottes Berufung und Identität für uns passt, oder auch nicht. Die Sache ist die: Je mehr wir checken, wer wir sind, umso mehr werden wir demgemäß leben.

Je mehr wir checken, wer wir sind, umso mehr werden wir demgemäß leben.

Solange ich denke, dass ich ein Sünder bin, werde ich sündigen. Wenn ich dagegen in dem Bewusstsein lebe, dass mir alles vergeben wurde und ich komplett heilig bin, dann werde ich auch frei von der Sünde leben – „würdig meiner Berufung“. Probier das mal aus, das ist echt ne krasse Dynamik!!

Das was ich in mir drin glaube, werde ich auch automatisch leben. Deshalb ist es so entscheidend, was ich glaube, wer ich bin! Und deshalb muss ich wissen, wer Gott sagt, dass ich bin!

Was ich glaube, wer ich bin, das werde ich auch leben.

Gott behandelt uns gemäß unserer Identität, nicht gemäß unseren Fehlern

Und Gott setzt noch einen drauf. Er gibt uns nicht nur ne neue Identität und Berufung, z.B. dass wir heilig sind, sondern: Er behandelt uns auch immer entsprechend unserer Identität und Berufung – und nicht entsprechend unseren Fehlern.

Ach so: Gott weiß sehr wohl, was für Abgründe noch in unseren Herzen sind (von denen wir manchmal keine Ahnung haben), und deshalb ist er auch nicht enttäuscht, wenn wir was verballern.

Aber gleichzeitig weiß er auch, wer wir wirklich sind. Und das zieht er aus uns raus.

Ich zitiere euch dazu kurz was aus meinem Journal (Buch, in das ich meine Gedanken und Gottes Worte schreibe) von vor zwei Wochen. Da hab ich an nem Thema rumgekämpft, über das ich echt gefrustet war und enttäuscht war und keine Lust hatte, nochmal ein Risiko einzugehen und in die Hoffnung zurückzugehen. Da sagte Gott zu mir:

 „… Mein liebes Kind, du bist gerufen, über deinen Träumen zu leben! Du bist auch gerufen, sie in Existenz zu rufen! Und wenn du sie noch nicht siehst: Na und? Du bist als eine mutige Löwin geschaffen worden, nicht als ein verschüchtertes Kätzchen. Es ist mein Wind, der dich trägt. Es sind meine Worte, die dich hoch fliegen lassen. Ich will dich wieder fliegen sehen, Mimi, wieder schweben! Was suchst du da auf dem Boden so klein? Du bist gerufen worden, um über den Umständen zu fliegen. Lass nicht deine vergangenen Erlebnisse die Decke für deine Zukünftigen werden! …“

Gott hat mir erinnert, wer ich wirklich bin. Das hat mir Wind unter die Flügel gegeben und es leichter gemacht, zu vergeben bzw. wieder aufzustehen, und wieder Freude zu haben. Der trockene Humor haut mich manchmal eh um. 😀

(Der Journal-Eintrag hat mich übrigens zu diesem Artikel inspiriert. 🙂 Ich liebe: „Was suchst du da auf dem Boden so klein?“ Aaaaaaah. 🙂 🙂 Apropos, so hört sich das bei mir an, wenn Gott mich zurechtweist und mir zeigt, wo ich einer Lüge aufgesessen bin bzw. ein bisschen Buße zu tun habe. 🙂 )

Weißt du, wer du bist?

Wenn wir Menschen wollen, dass sich etwas ändert, sagen wir: „Tu das nicht, ändere jenes, streng dich an.“

Und Gott sagt: „Weißt du eigentlich, wer du bist? Das ist deiner nicht würdig.“

Das zieht sich durch die ganze Bibel durch, ich geb euch aber nur ein Beispiel heute, nämlich Gideon. (Seine Story ist nachzulesen im Buch Richter ab Kapitel 6.) Gott schickt einen Engel zu Gideon, der ihn mit den Worten grüßt: „Der Herr ist mit dir, tapferer Held!“, während Gideon alles andere als heldenhaft in einem Versteck versucht, ein bisschen von der Ernte vor Raubüberfällen zu schützen. Von einem tapferen Helden war da gar nichts zu sehen. Zumindest äußerlich. Aber Gott sah den Helden in Gideon. Und so ging er mit ihm um. Und in der Tat: Gideon wurde zum Helden, er befreite sein Volk und führte es auf Gottes Wege zurück, und solange er lebte, ging es Israel gut.

Als Gideon dem glaubte, was Gott über ihn sagte, kam es in Existenz.

Wenn wir glauben, was Gott über uns sagt, wird es in Existenz kommen. Du vollkommen gemachte/r Heilige/r. 🙂

Actionplan

Ich habe nicht den Anspruch, mit einem einzigen Artikel alle Fragen zu beantworten und alles abzudecken, was es zu sagen gäbe.

Aber ich würd dich gern herausfordern: Welchen Bereich in deinem Leben hast du, wo du noch nicht „würdig deiner Berufung lebst“?

Überlege dir mal, wie du dich da siehst? Welche Bezeichnung würdest du dir geben, wie würdest du dich beschreiben?

Und dann frag doch Gott mal, wie er dich sieht. Du magst den „tapferen Helden“ nicht sehen, oder den geheiligten Sohn oder die vollkommen gemachte Tochter Gottes nicht sehen. Aber Gott schon. 🙂 (Und jaaaaa, wenn es zu gut klingt um wahr zu sein, dann ist es ziemlich genau richtig. 🙂 )

Und dann beobachte mal, was mit dir passiert und mir dem Scheiß passiert, denn wir manchmal machen, je öfter du dich daran erinnerst, was Gott nochmal über dich gesagt hat.


Kleine Anmerkungen zum Schluss:

  • In unserer neuen Identität leben zu lernen geht nicht von jetzt auf nachher, okay? Sei gnädig und geduldig mit dir. Gott ist es nämlich auch, und außerdem liebt er den Prozess mit dir viel mehr als das Resultat.
  • Wir sind alle unterwegs. Ich schreibe das hier nicht, weil ich schon fertig bin zu lernen, wer ich bin. (Aber schön wär’s. 😀 ) Oder weil keine Sünde mehr in meinem Leben. (Haha, frag mal die Leute um mich rum. 🙂 ) Aber ich bin unterwegs. Und es gibt einen deutlichen Unterschied zu meinem Leben vor ein paar Jahren und meinem Leben jetzt, juhu! 🙂
  • Gott liebt es, mit uns unterwegs zu sein. Also lasst uns die Reise mit ihm genießen. 🙂

Beitragsbild: Alisa Anton