Was tun mit dem Scherbenhaufen im Leben?

Schon mal vor einem Scherbenhaufen in deinem Leben gestanden? Du schaust runter auf den Boden. Siehst, was kaputt gegangen ist, und überlegst dir: „Was… soll ich jetzt damit machen?“ Vielleicht kann ich dich ein bisschen mit meiner Story ermutigen.

So ging’s mir nämlich kürzlich. Wenn etwas kaputt gegangen ist, hat irgendjemand was verbockt. Entweder ich oder der andere oder wir beide. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, merken wir, dass wir verletzt, enttäuscht oder wütend sind auf den, der die Fehler gemacht hat. In meinem Fall war ich wütend auf Gott.

Ja, fall nicht vom Stuhl, ich liebe den Herrn über alles, er ist der Beste und Wunderbarste, den es gibt, aber ich war echt enttäuscht und traurig und wütend auf ihn, weil ein paar Dinge passiert sind, die ich nicht verstanden habe.

Im Prinzip ist es egal, von wem wir enttäuscht sind, ob das Gott ist oder ein anderer Mensch oder wir selber – mit den Scherben müssen wir uns immer auseinandersetzen.

So viel ist klar, wenn ich nichts mit den Scherben tue, werden sie mir immer wehtun und meine Beziehung (in diesem Fall) zu Gott wird immer drunter leiden. Das kam nicht in Frage.

Sei echt

Wisst ihr, eines der Dinge, die ich an Gott am meisten schätze, ist, dass man so stockehrlich sein kann bei ihm. Das bin ich nicht von Natur aus, sondern das ist etwas, das ich in den letzten Jahren gelernt habe. Ich habe gecheckt: Solange ich so tue, als ob ich mit allem klarkomme und nichts weh tut, kann Gott mir nicht helfen. Aber wenn ich ganz ehrlich und echt mein Herz vor ihm ausbreite mit allem, was drin ist, und ist es noch so hässlich, dann kann er was draus machen.

Schon von Anfang an, als ich gerade erst begonnen habe, Gott reden zu hören, hat er permanent Wert darauf gelegt, dass ich auf den Tisch bringe, was in mir vorgeht. Das kannte ich nicht, weil, für mich waren Christen immer Leute, die keine Schwächen hatten (keine Ahnung, woher dieser Hirnfurz kam).

Da musste ich erst mal lernen, zu erkennen, dass in mir drin doch nicht alles so perfekt war, wie ich dachte – ganz im Gegenteil. Und dann musste ich lernen, über all das hässliche Zeug in mir drin (Ärger, Eifersucht, Vergleichen, Unsicherheit, Stolz undsoweiterundsofort) mit Gott zu reden. Und ich dachte, der Herr würde voll entsetzt sein, was für furchtbare Abgründe sich da in mir auftun. Aber stimmt gar nicht!! 😀 Der fand es voll cool, dass ich ihn endlich an meine Abgründe ranlasse, der war mega entspannt, echt der Wahnsinn! 😀 (Wenn ich jetzt darüber nachdenke, was ich für eine Reaktion von Gott erwartet habe, muss ich voll kichern. *g*)

Das war ein sehr guter Lernprozess. Ich habe erlebt, dass Schmerz, Wut und Enttäuschung abfließen können, wenn ich total ehrlich bin und sie erstmal vor Gott rauslass. (Er ist tatsächlich noch kein einziges Mal vom Thron gefallen. 🙂 ) Und dann, wenn mein Herz leer ist, hat Gott es jedes Mal mit seiner Liebe und seinem Frieden aufgefüllt. Tausche Wut gegen Frieden und Schmerz gegen Freude. Gibt’s nur beim Herrn. Aber muss man halt ehrlich sein dafür.

Die Scherben abgeben

Ich bin also mit meinem ganzen enttäuschten, fertigen Herzen und dem hässlichen Scherbenhaufen zu Gott gegangen (praktisch: habe mir Zeit genommen und alles, wie es mir geht, aufgeschrieben ⇒ manchmal geh ich dafür aber auch spazieren) und hab mich total ausgekotzt. Das ist so wichtig. Ich weiß, dass ich echt sein darf bei Gott. Ich muss es sogar. (Ich will eine Beziehung zu ihm, und wenn ich immer Groll in meinem Herzchen hege, dann sabotiere ich unsere Beziehung.)

Und nachdem ich meinen ganzen Frust und Schmerz rausgelassen habe, sitze ich so da … so leer, alles gesagt … und mir bleibt nur die Frage: „Und was machen wir jetzt mit dem Scherbenhaufen?“ …

Ganz leise kommt die Antwort von Gott: „Gib mir die Scherben. Bitte. Ich habe heilende Hände. In meiner Hand wird alles wieder heil. Oft kann ich nichts tun, weil die Person die Scherben behalten und mit sich herumtragen möchte. Ich bitte dich, meine geliebte Tochter, bitte lass die Scherben los und lege sie in meine Hand.“

Und weiter: „Ich verstehe deinen Ärger und deine Wut total, aber ich will dir zeigen, was ich tun kann. Du musst nichts tun dabei oder dafür, nur mir die Zuständigkeit über die Scherben übertragen. Komm und berge dich in meiner Hand. Ich will dein Zufluchtsort sein, dein Balsam für die Seele, deine schützende Burg, dein sicheres Versteck. Und wenn du für ein paar Tage untertauchen willst, dann komm zu mir.“

Bäm.

Die Frage nach dem Warum hilft nicht (immer)

Mit keinem einzigen Wort hat Gott meine Fragen beantwortet, warum alles so kam oder was falsch gelaufen ist oder warum er das zugelassen hat. Ich habe bis heute keine Antwort darauf. Vielleicht werde ich irgendwann mal eine Erklärung bekommen, keine Ahnung.

Gott hat mich nur um eine Sache gebeten, dass ich loslasse und ihm noch einmal vertraue.

Selbst wenn ich verstanden hätte, warum alles so gekommen ist, hätte ich immer noch den Schmerz in meinem Herzen gehabt. Die Frage nach dem Warum hat mir nicht geholfen.

Da saß ich also mit der Bitte von Gott, alles loszulassen und in seine Hände zu geben. Daraufhin habe ich mein Buch und meine Stifte einpackt, bin nach draußen gegangen und habe mich dort auf eine Bank gesetzt und in Ruhe darüber nachgedacht, was das bedeutet.

Ich habe immer die Wahl

Entweder laufe ich weiter mit meinem Groll herum, oder ich gebe ihn an Gott ab.

Entweder poche ich auf eine Antwort auf meine Fragen. Oder ich lasse meinen Anspruch auf eine Antwort los und vertraue darauf, dass Gott auch so für mein Recht sorgen wird.

Entweder klammere ich mich an meiner Enttäuschung fest. Oder ich lasse sie los und erwarte, dass ich was Besseres dafür bekommen werde.

Entweder lasse ich zu, dass dieses Erlebnis, das ich nicht verstehen kann, mein Bild von Gott trübt, den ich immer als durch und durch gut erlebt habe. Oder ich priorisiere meine Beziehung zu Gott über der Frage nach dem Warum.

Entweder werde ich alt und verbittert. Oder ich werde nur alt ohne verbittert. 😆

Ich habe immer die Wahl.

Friede ins Herz

Und die letztere Option klang doch um einiges besser. 🙂 Mit Bitterkeit ist nicht zu scherzen, und meine Connection zu Gott wollte ich auch zurück. Also habe ich mich hingekniet, mein Herz vor Gott ausgeschüttet und ihm den Scherbenhaufen gegeben. Und in genau diesem Moment kam voll der Friede in mein Herz hinein. Das war der Hammer. Das war, als ob Frieden mich ganz ausfüllt. Und dieser Friede hat mich seither nicht mehr verlassen, den spüre ich immer noch.

Eine Antwort, warum alles so kam, wie es kam, habe ich keine erhalten. Aber irgendwie ist das auch nicht mehr ganz so wichtig. Ich fühle keinen Ärger mehr und keinen Schmerz. Wie ich das gerade schreibe, ist die Geschichte ist noch nicht zu Ende; ich weiß nicht, wie es ausgeht oder was Gott aus den Scherben machen wird. Aber ich habe voll Hoffnung in meinem Herzen und Freude.

Ärger gegen Freude getauscht. Und Schmerz gegen Frieden. Herz geheilt und Hoffnung gebaut. Mission accomplished. 🙂

Der Weg zur Heilung

Zusammenfassend kann ich sagen:

  1. Es gibt keinen Scherbenhaufen, der so groß wäre, dass Gott nicht was Schönes daraus machen könnte. (Was für eine gute Nachricht! 🙂 )
  2. Zuallererst muss ich mit Gott stockehrlich sein und auspacken, was in meinem Herzen ist – und wenn es noch so abgrundtief hässlich ist.
    (Übrigens, wenn jemand über die Abgründe in meinem Herzen schockiert war, dann war es immer ich, nie der Herr. Der wusste das iwie immer schon. 🙂 )
  3. Bei den Hässlichkeiten stehenzubleiben ist natürlich auch keine Lösung. Loslassen (oder Vergeben), Ansprüche abgeben und Gott vertrauen, dass er für einen sorgt, ist der Knackpunkt.
  4. Dann wird der Frieden Gottes, der weit über alles Verstehen hinausreicht, über unseren Gedanken wachen und uns in unserem Innersten bewahren – uns, die wir mit Jesus Christus verbunden sind. (Philipper 4,7) True story.

Scherben sind keine Lösung, und ein schmerzendes Herz macht einen fertig. Ich bin so unendlich dankbar, dass ich jemanden habe, der mir die Schmerzen nimmt und Frieden gibt, der bleibt, und der dann auch noch Hoffnung draufpflanzt, sodass ich daueroptimistisch sein kann. 🙂

Wie sieht’s bei dir aus?

Hast du auch gerade einen Scherbenhaufen in deinem Leben? Und an welchem Punkt stehst du? Musst du erstmal den Schmerz an die Oberfläche kriegen? Oder ist er schon da und du brauchst ne Begegnung mit Gott, um ihn loslassen zu können? Oder hast schon deinen Frieden zurück?

Wir sind nicht dafür gemacht, an den Scherben zu zerbrechen. Wir sind dafür gemacht, uns aus den Scherben zu erheben und danach stärker, weiser, reifer und schöner zu sein als davor.

Mein Gebet für dich ist, dass du diesem Gott auch begegnest, der ein Herz so gut heilen kann, wie sonst keiner, und dass die Scherben in deinem Leben (egal, wer sie verursacht hat) für dich nicht zur Stolperfalle werden, sondern dass sie dich nur stärker machen.

Übrigens, Gott hat mir erklärt, dass er oft nichts mit den Scherben tun kann, weil wir Menschen sie behalten wollen und zwar aus zwei Gründen: Entweder um sie mit uns herumzutragen, damit die anderen sehen können, was für schlimme oder ungerechte Dinge mit uns getan worden sind. Oder um uns selbst mit den Scherben zu verletzen.

Tapp nicht in diese Fallen! Du bist zu geliebt dafür!!!