Gottes Stimme hören (Teil 7) – Meine Story II

In diesem Beitrag habe ich dir erzählt, wie schwer ich mich getan habe, Gottes Stimme zu hören. Wie geht’s mir heute damit? Einfach weiterlesen. 🙂

Skepsis pur

Da sitze ich also in Toronto, höre mir das Teaching an, das ihr euch gerade durchgelesen habt, und denke mir: „Wenn es so einfach ist, Gott zu hören, warum hat mir das dann niemand gesagt?“

Total skeptisch mache ich jede Übung mit, schreibe brav auf, was mir an Gedanken einfällt, aber denke mir die ganze Zeit: Achh… das bin nur ich selber!

Jede Woche hatten wir eine Aufgabe: Wir sollten Gott etwas fragen und das in unser Buch schreiben. … Ich hab so gehadert damit, aber gleichzeitig hat es mich auch total fasziniert, was die anderen alles von Gott gehört haben. Ich wollte doch so gern seine Stimme hören, aber es hat sich nie nach Gott angefühlt, was ich da aufgeschrieben habe – immer nur nach mir.

Auf die Angst zurennen

LöwinEinige Wochen später saß ich mit meiner Freundin draußen auf einem Hügel und erzählte ihr von meinem Konflikt, dass ich so gerne Gottes Stimme hören wollte, aber Angst hatte, dass ich mir alles nur einbilde. Daraufhin sagte sie mir:

„Ich erzähle dir mal eine Geschichte, die vor kurzem gehört habe:

Löwen jagen immer gemeinsam im Rudel. Und sie sind schlau. Ihre Taktik besteht darin, die älteste Löwin, die nicht mehr rennen kann, keine Zähne mehr hat und vor lauter Altersschwäche schon beinahe auseinanderfällt, ins hohe Gras zu setzen. Dort muss sie brüllen – das schafft sie gerade noch – so laut sie kann.

Das Beutetier hört einen Löwen laut brüllen, aber es sieht ihn nicht. Es sieht nicht, dass es nur eine alte, klapprige Löwin ohne Zähne ist, die nicht mehr rennen kann. Das arme Vieh erschrickt und rennt in der entgegengesetzten Richtung davon … wo die anderen Löwen schon auf es warten. Und haps. 😀

Das Tier hätte direkt auf den brüllenden Löwen zulaufen müssen. Genauso ist das mit der Angst. Die Angst kann nur laut brüllen, aber nicht mehr rennen, geschweige denn beißen. Wenn wir uns fürchten, bleiben wir entweder gelähmt stehen oder machen kehrt und laufen davon. Aber wir müssen lernen, auf die Angst zuzulaufen und sie über den Haufen zu rennen.“

Gott kennengelernt

Hammer Bild, oder?

Ich hatte zwar total Schiss, aber trotzdem wollte ich unbedingt Gott hören. Deshalb habe ich sowas in der Art gebetet wie: „Vater, ich hab voll Angst, dass ich es versemmel, wenn ich einfach nur aufschreibe, was mir in den Kopf kommt. Aber ich möchte dich so gerne hören und ich weiß, dass du das auch willst. Deshalb werde ich jetzt auf den brüllenden Löwen zulaufen und dir vertrauen, dass du mich dabei nicht ins offene Messer laufen lässt.“

Und dann bin ich jeden Morgen früh aufgestanden, habe mir mein Buch und Stifte geschnappt, mich alleine an einen Frühstückstisch hingesetzt, Kopfhörer reingetan, meine inneren Augen auf Jesus ausgerichtet und einfach geschrieben.

Am Anfang war’s jedes Mal ein Sprung ins kalte Wasser – ist es eigentlich immer noch, weil man nie weiß, was am Ende auf dem Papier stehen wird. 🙂 Und ich war mir total unsicher.

Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass das nicht nur ich sein kann. Ich kann mir nicht selber Dinge offenbaren, die ich vorher noch nicht gewusst habe. Und ich kann mich auch nur bedingt selber zum Lachen oder auch zum Weinen bringen. Die Person, der ich da begegnet bin, war viel gnädiger, geduldiger und freundlicher mit mir, als ich es selber war. Und total entspannt.

Meine Mentorin hat mich auch immer wieder ermutigt: „Yay, voll super! … Ja, das sagt Gott auch zu mir…“, und so Zeug. 🙂

SprungSo habe ich einige coole Sachen erlebt:

  • Zuerst hat Gott mit mir nur darüber geredet, wie sehr er mich liebt. Und ich so: „Ja, weiß ich. … Ja, weiß ich. … Ja, weiß ich. … Ja, hab ich schon tausendmal gehört. … Ja, weiß ich.“ Und dann hat es *BING* gemacht, und aus dem Kopfwissen wurde tatsächlich ne Offenbarung, und es hat mich total gerockt, dass Gott.mich.wirklich.liebt.
  • Einige Zeit lang hat Gott mit mir darüber geredet, was während des Tages auf mich wartet. Beim Aufschreiben wusste ich das nicht. Erst später am Tag ist mir das Thema auf irgendeine Weise wieder begegnet. Und ich so: „Hmm! Das hatten wir heute doch schonmal!“
  • Dann gab es auch Zeiten, in denen Gott mit mir immer über ein und dasselbe Thema geredet hat, z.B. Vertrauen. Ich dachte schon, jetzt kommt nichts Neues mehr, aber irgendwann war’s dann vorbei und beim Zurückschauen ist mir aufgefallen, dass sich über die Zeit tatsächlich was in mir gebaut hat, und ich Gott viel mehr vertraue als davor.
  • Das Beste aber an der ganzen Sache war: Ich habe Gott kennengelernt! Ich bin ihm tatsächlich begegnet, als Person. Die Schule in Toronto war der Hammer, und ich hab sooo viel Gutes aus der Zeit mitgenommen, von dem ich ewig profitieren werden. Aber das Beste an der ganze Sache war tatsächlich, dass ich Gott kennengelernt habe und selber erlebt (nicht nur von anderen gelesen), wie wahnsinnig gut Gott ist!

Buch um Buch habe ich gefüllt mit meinen Gedanken gepaart mit Gottes Gedanken, und immer wieder hat er mich geflasht mit seiner Weisheit, seiner Liebe, seiner Freundlichkeit, seiner Geduld, hat mich seine Wege gelehrt und mich ermutigt wie kein anderer.
Je mehr ich geschrieben habe, umso leichter wurde es zu sehen, dass das Gott ist, der grade redet, und nicht ich selber.

Prophetisches Training

Eine andere Sache, die ich auch in Toronto gelernt habe, war Prophezeien. Das ist im Prinzip das gleiche wie Gottes Stimme hören, nur dass man nicht für sich selbst hört, sondern für eine andere Person. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass das ebenfalls eine riesige Herausforderung für mich war. (Am Anfang hab ich’s gehasst, 😀 mittlerweile lieb ich es.) Meine Leiter haben mich immer schön gepusht, sodass ich auch da an einem Punkt angekommen bin, wo ich wusste, dass Gott wirklich redet.

Beides zusammen (Gott für mich hören inkl. aufschreiben und das prophetische Training) haben meine Sinne immer weiter geschärft, sodass ich immer sicherer geworden bin.

Kleiner Einschub: Manchmal sagen Leute heute zu mir: „Mirjam, du hast eine prophetische Gabe!“ Naja … ich hab halt geübt!!! Vor 10 Jahren hätte das auch noch keiner zu mir gesagt, da hab ich nämlich praktisch nichts von Gott gehört. Und am Anfang musste ich echt oft noch auf den Löwen zurennen, der mich in mir drin angebrüllt hat. Aber Gott ist ja total treu: Wenn du losläufst und dich danach ausstreckst, Gott zu hören, dann wird er begegnen. Er wartet ja schon auf dich!

Fehler gemacht

Ich hatte dann mal noch so ein Fail-Erlebnis mit dem Aufschreiben. Es ging um die Entscheidung, was ich nach Toronto mache, und ich dachte, Gott würde immer das eine sagen. Aber das hab ich dann schon gemerkt, dass ich da auf nem falschen Trip war, weil nämlich alles schief ging und ich zusätzlich dazu Null Frieden in mir hatte. (Innerer Friede ist immer ein sehr guter Gradmesser.) Daher …

  1. … macht euch keine Gedanken über Fehler, ihr kriegt’s dann schon mit.
  2. … besorgt euch Mentoren. 🙂 (Hatte ich nämlich zu der Zeit nicht und damit hätte ich mir einige Enttäuschung und Umstände erspart.)

Danach war mein Glaube ans Gottes-Stimme-hören-und-aufschreiben eine Zeit lang erschüttert und ich hab’s sein gelassen. Aber irgendwann habe ich das Zwiegespräch mit Gott so sehr vermisst, dass ich wieder damit angefangen habe. 🙂

Und heute

Das ist jetzt schon fünf Jahre her. Mittlerweile setze ich mich einmal pro Woche hin zum Aufschreiben. Ich habe gelernt, Gott auf viele verschiedene Arten mitzukriegen. Ich habe gelernt, wie ich immer in Kontakt mit ihm sein kann. Ich habe gelernt, sein Herz für mich spüren zu können (und ebenfalls für die Menschen um mich rum). Und ich habe gelernt, seine Gegenwart wahrzunehmen.

Ich bin noch nicht am Ende angelangt dessen, was möglich ist, von Gott mitzukriegen. Aber ich hab schon ne gute Strecke hinter mir. 🙂

Das Aufschreiben war für mich der Einstieg und der Kanal, über den ich Gott kennengelernt habe. Manchen wird das liegen, anderen eher nicht so. Das ist glaub ich auch bisschen Typsache. Ich würde dich ermutigen: Wenn du Hunger hast nach Gott, dann mach das mal ein halbes Jahr lang jeden Tag. Es wird dein Leben total verändern!

Zum Schluss

Noch kurz was zum Schluss:

  • Es gibt natürlich Menschen, die von Natur aus geöffnete geistliche Sinne haben und schon von klein auf alles mögliche aus der unsichtbaren Welt mitkriegen. Das ist top (wenn auch eine Herausforderung der anderen Art), aber alle anderen, bei denen das nicht so ist, dürfen üben, Gott zu hören (so wie ich). 🙂
  • Leute, die im New Age unterwegs waren tun sich mit dem Thema auch nicht so schwer wie religiös angehauchte Christen (so wie ich), weil ihre geistlichen Sinne auch schon geöffnet sind. (Ich hab mal auf einem Seminar zu Gottes-Stimme-hören mit einem geredet, der früher Satanist war. Sein Problem war auch nicht, was Gott sagt, sondern eher, was er mit den ganzen Informationen tun soll, die er aus dem unsichtbaren Bereich erhält.)
  • Diese Reihe hab ich nicht geschrieben, damit du Gottes Willen für eine Entscheidung rausfinden kannst. Das gehört schon auch dazu, aber im Grunde geht es um mehr. Nämlich darum, dass du Gott kennenlernst. Gott will eine Beziehung zu dir, es reicht ihm nicht, dir alle 2 Jahre zu sagen „geh rechts“ oder „geh links“. Du kannst 24/7 in Kontakt mit deinem himmlischen Papa sein. Der Vollhammer! 😀

Es gibt also noch so viel mehr zu entdecken, als du dir vorstellen kannst. Lauf einfach los! Meine Story hab ich dir erzählt, deine eigene Story wartet auf dich!!