Gottes Stimme hören (Teil 5) – Das Werkzeug

Ich hoffe, ich konnte dich bisher ein Stück mitnehmen, welche Erkenntnisse ich mit der Zeit hatte. Vielleicht konntest du mit dem einen oder anderen Gedanken etwas anfangen. 🙂

Heute zeige ich dir ein Werkzeug, das für mich der Durchbruch war ins Gottes-Stimme-hören-lernen. Es ist nicht der ultimative Weg, wie Gott redet, sondern nur eine praktische Möglichkeit (von vielen) zum unterscheiden lernen, wie sich Gottes Stimme anhört. Mittlerweile kriege ich Gott ganz unterschiedlich mit, aber das war für mich der Einstieg, und ich dachte, vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen, der sich schwertut. Es funktioniert auf jeden Fall. Du brauchst dafür eine Portion Entspanntheit und eine Portion Demut (denn es ist viel simpler, als man erwarten würde). 🙂

Vier Schlüssel

Wir brauchen nur vier Schlüssel. Dazu sehen wir uns mal Habakuk Kapitel 2 an. Zum Kontext: Habakuk (er kann nichts für seinen Namen 😆 ) war ein Prophet in Israel. Sein Buch fängt mit einer Klage an Gott an und der Frage, wo Gottes Gerechtigkeit bleibt. Habakuk schüttet sein ganzes Herz vor Gott aus und sagt danach: „Okay, Gott, jetzt will ich hören, was du zu sagen hast.“

Was Habakuk dann macht, sind ein paar Schritte, die auch uns helfen, Gottes Stimme leichter wahrzunehmen:

 

Auf meinen Posten will ich treten und auf den Wall mich stellen und will spähen, um zu sehen, was er mit mir reden wird und was für eine Antwort ich auf meine Klage erhalte. Und der HERR erwiderte mir und sprach: Schreib die Vision auf … – Habakuk 2,1-2

 

Schlüssel Nr. 1: RUHE

Auf meinen Posten will ich treten…

Ruhe
Habakuk positioniert sich, er stellt sich darauf ein, dass Gott ihm antwortet. Ist ja auch schon mal ne Haltung, oder? Manchmal beten wir, aber wir kommen gar nicht auf den Gedanken, dass Gott was vielleicht was dazu sagen will. 🙂 Dafür ist es total gut, zur Ruhe zu kommen.

Und zwar äußerlich: Handy aus, an nem Ort, wo keiner unversehens reinplatzt, vielleicht morgens, weil da der Stress des Tages noch nicht angefangen hat.

Und innerlich: Manchmal fallen mir 1000 Sachen ein, die ich noch zu erledigen habe. Die schreibe ich dann einfach auf, dann weiß meine Seele, dass ich mich drum kümmern werde und es nicht vergesse, und kann abchillen. Oder vielleicht plagst du dich mit Schuldgefühlen, dann darfst du dich daran erinnern, dass Jesus dich komplett gerecht gemacht hat (Mantel der Gerechtigkeit: Jesaja 61,10) und dass du ohne Furcht zu Gott kommen kannst (Epheser 3,12).

Kleiner Tipp: Musik hilft total. Ich werf mir meistens gechillte Musik rein, optimalerweise ohne Text, damit mich die Worte nicht ablenken. (Das und das und das ist gerade meine aktuelle Musik, aber im Prinzip funktioniert alles, was entspannt ist.) Elisa (von dem hatten wir’s davor) hat das mit der Musik auch gemacht (2.Könige 3,15) und David sowieso.

Also, lasst uns zur Ruhe kommen und dann …

Schlüssel Nr. 2: BLICK

… und will spähen, um zu sehen …

Fernglas

 

Schon aufgefallen? Habakuk will Gottes Stimme hören, aber er konzentriert sich darauf zu sehen! (Ha, ist dir nicht aufgefallen, oder? 😉 )

Jesus hat das auch gemacht. Er sagte nämlich, dass er nur das tut, was er den Vater tun sieht (Johannes 5,19 und 8,38). Jesus hatte also seine Augen die ganze Zeit auf den Vater gerichtet. Und das waren wieder nicht die körperlichen Augen, sondern seine Herzensaugen.

Worauf sollen denn wir unseren Blick richten, wenn wir von Gott hören wollen? Das hast du vermutlich richtig erraten: Jesus. (Guck mal hier: Hebräer 12,2)

Ich kann es auch nicht genug betonen, wie wichtig es ist, dass wir uns auf Jesus zu konzentrieren, wenn wir von ihm hören wollen. Andernfalls kann es nämlich passieren, dass unser Anliegen – wir haben ja oft eins, mit dem wir zu Gott kommen – wie ein Filter wirkt. Dann wird Gottes Stimme durch das verzerrt, was wir gerne hören wollen. So geschehen mit Bileam, der wollte unbedingt die Kohle und fragte Gott so lange die gleiche Frage, bis er mit der falschen Antwort rauslief. (Die ganze Story gibt’s in 4.Mose 22 und ne Erklärung dazu in Hesekiel 14,1-5. Bei Fragen, schreib mir gerne nen Kommentar, dann führ ich das noch ein bisschen aus.)

Ich hab das auch schon gesehen in meinen Seminaren zu diesem Thema, wenn jemand ganz unbedingt wollte, dass Gott ihm eine bestimmte Frage beantwortet, aber noch wenig mit Gott persönlich erlebt hat, dann kam entweder nichts dabei raus oder Gottes Herz war nicht so sehr spürbar. Das ist dann ein bisschen schade, weil ich denke: „Ach, wenn du das auf die Seite gelegt hättest für den Moment, dann wärst du Gott begegnet und das hätte dir viel, viel mehr gegeben als die eine Antwort auf die eine Frage.“

Und außerdem… eigene Story, hab ich’s schon voll oft erlebt, wenn ich meine Anliegen bewusst auf die Seite gelegt habe und Gott gefragt habe, was er mir einfach so sagen will, dann ist er oft auf das Anliegen zurückgekommen. Und ich so: „Häh, hey, musst du gar nicht.“ Und er so: „Passt schon, ist mir auch wichtig, Schatz. 🙂 “ Das war immer ziemlich cool. 🙂

Also, immer schön die inneren Äuglein auf den Herrn richten, er sorgt dann auch für unsere Sorgen. 🙂

Schlüssel Nr. 3: SPONTANITÄT

… was er mit mir reden wird und was für eine Antwort ich … erhalte …

Bubble

 

Hierzu gibt’s nicht so viel zu sagen. Geh einfach davon aus, dass Gott zu dir redet. Wir haben ja schon besprochen, dass Gott nicht mit der mega Donnerstimme reden wird, sondern dass es aus deinem Inneren kommen wird und dass Gott in deinen Gedanken redet. (Kannst du hier nochmal nachlesen.)

Du kannst dir das ungefähr so vorstellen: Unsere Gedanken sind wie ein Fluss – die ganze Zeit denken wir irgendwas (zumindest wir Frauen, *grins* ich hab ja gehört, dass Männer auch mal nichts denken können, eine seltene Gabe, für die ich die Herren der Schöpfung echt bewundere 🙂 ). Auf jeden Fall: Unsere Gedanken fließen so dahin. Wenn Gott redet, dann kommt da ein neuer Gedanke zum Fluss dazu und der fließt dann mit.

Die Kunst besteht darin wahrzunehmen: „Aha, da ist was Neues! Das hab ich vorher noch nicht gedacht!“, und dann diesem neuen Gedanken den Fluss hinunter zu folgen. Man braucht etwas Mut dafür, weil man nicht weiß, wo man unten rauskommt, aber es funktioniert.

Oft fällt uns das schwer, weil sich die meisten von uns noch nie Gedanken über ihre Gedanken gemacht haben. Wir denken einfach, dass wir denken, was wir denken. (Hach, dieses schöne Wortspiel. *schmacht*) Und wir kriegen überhaupt gar nicht mit, wenn was Neues spontan reinkommt. Aber genau dieses spontane Neue ist das Reden Gottes, das wir mitkriegen wollen.

Tja. Übung, sag ich da nur, meine Freunde. Übung. 😉 Genau deshalb sind diese vier Schlüssel so gut, weil sie uns dabei helfen, unsere Gedanken aufzuschlüsseln, nachzuverfolgen und das Reden Gottes in uns drin überhaupt mal erst wahrzunehmen. Und wenn wir dann ein Gefühl dafür entwickelt haben, dann kriegen wir Gott auch mit, wenn wir uns nicht extra in Ruhe hinsetzen – auch wenn diese Ruhe-Zeiten oft sehr besondere Zeiten sind. Kann man mir folgen? 🙂

Zusammenfassung so weit: Wir suchen uns einen ruhigen Ort und werden innerlich ruhig. Dann richten wir unsere Augen auf Jesus und springen in den Fluss.

Schlüssel Nr. 4: AUFSCHREIBEN

… Schreib die Vision auf …

Journaling

 

Das erste, was Gott zu Habakuk sagte, war, dass er aufschreiben soll, was Gott zu ihm sagt. Und genau das tun wir auch.

Es gibt mehrere gute Gründe, warum wir aufschreiben, was in unserem Kopf passiert:

1)    Wir können es später wieder lesen

Ist offensichtlich, ich weiß. 🙂 Ich hab ja mittlerweile ein ganzes Regal voller Bücher mit Gottes Reden, und es ist wirklich sehr ermutigend zu lesen, was damals passiert ist. Ich kann sehen, was eingetroffen ist, von dem, was ich da geschrieben habe. Und ich kann sehen, welche Fortschritte ich gemacht habe.

2)    Wir müssen nicht sofort prüfen, ob das von Gott ist

… und das ist immens wichtig. Wenn du auch nur ein kleines bisschen bist wie ich, dann wird dir dein Gehirn, in dem Moment, wo du etwas aufschreibst, sagen:
„Das ist doch nicht Gott…“
„Das bilde ich mir alles bloß ein…“
„Ich krieg eh nichts von Gott…“
„Das ist zu wenig/zu klein/zu abgedreht/zu normal/völlig daneben…“
„Ob Gott überhaupt mit mir reden will?…“
„Ich kann das sowieso nicht… “
„Ich hab das schon so oft versucht…“
„Ich bin zu untalentiert…“
„Ist das wirklich von Gott? …“

Blabla bla blabla blabla.

Glaub mir, ich kenn das. Deshalb: Schreib einfach. Wie ein Irrer. 😀 Lass dir nichts von der hässlichen, kleinen Stimme in deinem Kopf sagen, und schreib solange, wie der Fluss fließt, in den du gesprungen bist. Ohne zu prüfen. Das Prüfen machen wir erst danach. Okay?

3)    Wir können mehr als nur einen Satz von Gott empfangen

Wie bei 2): Wenn wir aufschreiben, können wir unsere Gedanken festzuhalten, ohne über sie nachzudenken. Wir schreiben einfach, solange bis der Fluss aufhört. Und, zack, hast du fünf Seiten Reden Gottes. 😉

4)     Es hilft, in Wartezeiten durchzuhalten

Manche Worte Gottes brauchen eine gewisse Zeit, bis sie ins Sichtbare kommen. Da hilft es total, sich immer wieder an sie zu erinnern, wenn man sie liest, und sie nicht zu vergessen. Und wenn sie dann eintreten, hat man noch mehr Grund, sich zu freuen und Gott Ehre zu geben. 🙂

Das war’s! Jetzt bist du ready. (Wirklich!) 1. Sorge für Ruhe in dir und um dich. 2. Richte deinen Blick auf Jesus. 3. Während du das überlegst, kannst du schon längt aufschreiben, weil Gott schon angefangen hat zu reden. 4. Schreib’s auf.

Starthilfe

Ich weiß, es klingt nicht nach viel. Aber ich hab ja schon am Anfang gesagt: Wir brauchen eine Portion Demut, weil es so viel simpler, banaler und unspektakulärer ist, als wir es uns immer vorgestellt haben.

Aber trau dich, du kannst nichts verlieren. Und Gott liebt dich! Er ist so viel mehr daran interessiert, dass du was von ihm mitkriegst, als du es selber willst!

Ich geb dir als kleine Starthilfe ein paar Fragen, mit denen du anfangen kannst. Erinnerst du dich, im letzten Artikel habe ich dich herausgefordert, wenn du Lust hattest, Gott gleich um ein Wort oder einen Einfall zu bitten und dann aufzuschreiben. Wenn du das getan hast, dann starte doch mit der Frage:

„Gott, was möchtest du mir zu diesem Wort … noch sagen?“ oder „Gott, was bedeutet …?“

Andernfalls such dir eine dieser Fragen aus:

  • „Gott, wie siehst du mich?“
  • „Liebst du mich?“
  • „Was würdest du mir gerne sagen?“
  • „Was denkst du über die Augen meines Herzens und wie soll ich sie gebrauchen?“

(Kleiner Tipp: Frage keine Frage, die mit Ja oder Nein beantwortet werden kann, bleib fürs erste bei denen, die ich dir vorschlage.)

Dann schreibst du diese Frage auf ein Blatt Papier, fokussierst dich auf Jesus und schreibst einfach, was dir in den Sinn kommt – ohne drüber nachzudenken. Okay? Nicht drüber nachdenken, einfach schreiben. Ich feuer dich total an!!

Ey, ich bin sooo gespannt, deine Story zu hören! Bitte lass mich wissen, was du erlebt hast und wie’s geklappt hat! Schreib mir (hier oder auf Facebook)!!


Im nächsten Artikel reden wir darüber, wie man easy unterscheiden kann, ob das von Gott kommt oder nicht. Dann schauen wir noch ein paar kleine Wichtigkeiten an, und ich erzähle ein paar coole Stories, die ich mit dieser Aufschreib-Methode erlebt hab. (Link folgt) Juhu, ich freu mich. 🙂


Beitragsbild: Bruno Martins

One thought on “Gottes Stimme hören (Teil 5) – Das Werkzeug

  1. Der Vers aus Hab, 2,1-2 begleitet mich seit ca. zehn Jahren…Auf meinen Posten will ich treten und auf den Wall mich stellen und will spähen, um zu sehen, was er mit mir reden wird und was für eine Antwort ich auf meine Klage erhalte. Und der HERR erwiderte mir und sprach: Schreib die Vision auf …
    Habakuk bedeutet der Umarmer…das gefällt mir besonders, denn nur in dieser Herzensintimität zu Gott kann er diese Vision empfangen. Er umarmt auch das, was er empfängt.
    Danke für deine wertvollen Gedanken! Sei gesegnet mit der Umarmung des Habakuk.

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