Gottes Stimme hören (Teil 4) – Bibel-Basics II

Nachdem wir herausgefunden haben, dass Gott zu uns allen redet (hier), wäre noch zu klären, wie man mit jemandem kommuniziert, den man nicht sehen kann. Das klingt zwar nach einem Problem, aber eigentlich ist es sogar ziemlich cool. 🙂

Gott redet aus der unsichtbaren Welt

Erst einmal müssen wir verstehen, dass es eine unsichtbare Welt gibt (wird manchmal auch unsichtbarer Bereich oder geistlicher Bereich genannt). Das ist ein ebenso realer Bereich, wie der sichtbare Bereich, den wir mit unseren Augen sehen können.

Also, die Sache an der unsichtbaren Welt ist, dass sie unsichtbar ist. *grins* Das bedeutet, wir können sie nicht mit unseren körperlichen Augen sehen. Wenn Gott im unsichtbaren Bereich ist, wie können wir dann trotzdem Informationen von ihm erhalten?

Kleine Frage: Wie erhalten wir denn Informationen aus der sichtbaren Welt? … grübel … Ist nicht so schwer: Durch unsere 5 Sinne. Tadaa.

Die Sache ist: Genauso, wie unser Körper 5 Sinne für die sichtbare Welt hat, haben wir 5 geistliche Sinne, um die geistliche / unsichtbare Welt zu erfassen. Falls du das jetzt zum allerersten Mal hörst, keine Sorge, ich hab das alles aus der Bibel, und wir schauen uns das gleich an.

Ich lass der Zeit halber die meisten weg und konzentriere mich auf Augen und Ohren, weil die meiner Erfahrung nach die sind, die wir am Öftesten gebrauchen. (Wer sich für den Rest interessiert, der kann mal in „Die Schule der Seher“ von J. Welton reinschauen, da gibt’s zu den anderen drei Sinnen Bibel-Facts und Erlebnisse.)

Geistliche Augen

Die erste Bibelstelle ist aus den Stories des Propheten Elisa (jep, ist ein Männername), der zur Zeit der Könige in Israel gelebt hat. Elisa zog sich den Zorn eines Königs aus dem Nachbarland zu, weil er den israelitischen König immer informierte, was der andere vorhatte (der Vorteil, wenn man einen Propheten auf seiner Seite hat *grins* – da kann der BND einpacken. 😆 ).

Auf jeden Fall beschloss dieser König, Elisa auszuschalten, und schickte sein gesamtes Heer zu Elisas Stadt …

 

Als der Diener [von Elisa] am nächsten Morgen aufstand und aus dem Haus trat, war die Stadt umgeben von Truppen, Pferden und Streitwagen. »Mein Herr, was sollen wir tun?«, rief er Elisa zu. »Hab keine Angst!«, sagte Elisa. »Denn es sind mehr auf unserer Seite als auf ihrer.« Und er betete: »Herr, öffne ihm die Augen und lass ihn sehen.« Da öffnete der Herr dem Diener die Augen, und als er aufblickte, sah er, dass das Bergland um Elisa herum voll feuriger Pferde und Streitwagen war. – 2.Könige 6,15-17

 

Kleine Frage: War der Diener blind?

Nun, definitiv nicht. Das gegnerische Heer nahm er sehr gut wahr. (Wahrscheinlich hat er sich gewünscht, er könnte nicht so gut sehen. 😆 ) Aber trotzdem musste Gott ihm die Augen öffnen. Welche Augen waren es dann, wenn seine körperlichen Augen gut funktionierten? Ich würde vorschlagen: Das waren seine geistlichen Augen – die Augen, mit denen er die geistliche Welt wahrnehmen konnte.

Paulus nennt diese Augen an einer anderen Stelle die Augen unseres Herzens:

 

[Ich] gedenke euer in meinem Gebet, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben … – Epheser 1,16-19

 

Hast du gedacht, ist nur bildlich gesprochen, hm? 😎 😉
Wir sollen alle erleuchtete Herzensaugen haben und Gott erkennen (das heißt kennenernen) können. Das ist keine Metapher, das ist wörtlich zu verstehen.

Geistliche Ohren

Sehen wir uns noch kurz die geistlichen Ohren an:

 

Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich [=irdisch] … Wir zerstören damit Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus. – 2.Korinther 10,4-5

 

Eigentlich geht’s hier um geistliche Waffen, aber mir geht’s um was anderes: Wir denken nicht einfach, was wir denken. Unsere Gedanken werden aus der unsichtbaren Welt beeinflusst – hier ging’s jetzt um die Gedanken, die uns der Teufel einredet (die wir entlarven und durch Wahrheiten ersetzen sollen). Gott redet genauso. So easy ist das …

Aber Mirjam, woher soll ich denn wissen, ob das jetzt meine Gedanken sind oder die von Gott? – Jaja, kommt schon noch. 😉

Gott redet nicht wie Benedict Cumberbatch

Wisst ihr, jahrelang habe ich geglaubt, wenn Gott mit mir redet, dann bekomme ich das mit meinen körperlichen Augen und Ohren mit!! Was für ein Irrtum!!

Es stimmt auch, dass Gott manchmal auf eine Art und Weise redet, dass wir es mit unseren körperlichen Sinnen mitkriegen. Aber das ist die Ausnahme, und wenn, dann sind das richtig krasse Situationen, wo es später so übel wird, dass wir etwas zum Festhalten brauchen um uns sicher zu sein, dass Gott das wirklich gesagt hat. (Habe ich bisher erst einmal erlebt.)

Irgendwie glauben wir oft, dass wenn Gott redet, es sich so anhört, als würde Benedict Cumberbatch uns in seiner tiefsten Stimmlage (mit Echoeffekt) durch die Wolken gesalbte Worte zurufen – vermutlich noch in Lutherdeutsch (unrevidierte Version von 1545, kicher).

Gottes Stimme ist nicht donnerähnlich. Und wenn Gott redet, dann ist das nicht so, als ob dir einer mit dem Megafon was ins Ohr brüllt. Normalerweise, und das ist das, was wir unbedingt lernen müssen, hören wir Gott mit unseren geistlichen Ohren und sehen ihn mit unseren Herzensaugen.

Gott redet nicht außerhalb von deinem Kopf zu dir, sondern innerhalb von deinem Kopf. Gottes Worte werden aus deinem Geist raus, aus deinem Inneren raus zu dir kommen, weil Gottes Geist und dein Geist untrennbar sind (guck mal in 1.Korinther 6,17).

Wie gesagt, das mit dem Engel, der hörbaren Stimme, den offenen Visionen gibt’s auch. Aber eben nicht im Normalfall. Wenn ich vor Ehrfurcht jedes Mal in Ohnmacht falle, wenn der Herr mit mir redet (wie das Daniel passiert ist), dann bin ich für den Alltag nicht mehr sonderlich zu gebrauchen. 😀

Wir müssen unsere Vorstellung ändern, dass wir denken, wir müssten etwas Besonderes fühlen oder es muss extrem „geistlich“ sein (wie auch immer dieser Begriff dann zu verstehen ist) oder wir müssten ein Licht, wenn nicht sogar einen Engel sehen, wenn Gott redet.

Ich sags mal so: Normalerweise, das heißt so gut wie immer, wenn Gott zu mir redet, dann fühlt sich das total … unspektakulär an. So entspannt, so alltäglich, so banal, so … unspektakulär eben, dass ich es die meiste Zeit meines Lebens verpasst habe, weil ich immer auf Benedict Cumberbatch gewartet habe. 😀


Fazit für heute: Gott redet 1. zu allen, und 2. von innen raus ganz unspektakulär. Ich habe etwas Übung gebraucht, um das zu checken, aber es hat mein Leben verändert. Und wenn du das auch willst, dann klick dich zum nächsten Artikel, da bist dann nämlich du dran. 🙂 (Link folgt)


Ach so, wenn du Bock hast, gleich was praktisch zu machen, dann nimm dir doch kurz 2 Sekunden Zeit (reicht wirklich) und bitte Gott, dass er dir was sagt. Und das erste Wort oder den ersten Einfall schreibst du auf. Und wir reden später drüber. 🙂 Ha, während du das grade gelesen hast, hattest du schon was im Gehirn! Jep, das wars, schreib’s auf, sehr gut! 🙂


Für mehr Infos, was es mit dem Geist auf sich hat, werde ich in den nächsten Tagen nochmal was posten.


Wie Elisas Story ausging, kannst du in 2.Könige 6 nachlesen.


Beitragsbild: Ben White